Rezension 491
„Adalina und die Liebe zu den Büchern“ von Tessa Hansen
Worum geht es?

„Schon als Kind liebte Adalina das Knattern des Bibliomotocarro – der kleinen Bibliothek auf Rädern, die Maestro La Cava voller Geschichten in ihr winziges italienisches Bergdorf brachte. Jahre später kehrt sie, nun selbst Schriftstellerin, zurück und stößt in einer Garage auf das verlassene Büchermobil. Keine Spur des alten Maestro.
Als Adalina erfährt, dass die Büchertouren seit einem leichten Unfall des Maestro vor dem Aus stehen, wird ihr klar: Das Bibliomotocarro braucht sie. Ihr Versuch, es zu retten, führt sie durch enge Gassen und wilde Landschaften zu fast vergessenen Erinnerungen und vor Glück leuchtenden Kinderaugen. Sie findet neue Freundschaften und im charmanten Gianluca jemanden, der ihre Hoffnung beflügelt. Doch kann sie ihr Leben in Pisa einfach hinter sich lassen und sich für das Bibliomotocarro nach Jahren wieder mit ihrer Familie versöhnen?“
( Klappentext zu „Adalina und die Liebe zu den Büchern“ von Teesa Hansen )
Meine Meinung:
Nach acht Jahren in Pisa zieht es Adalina zurück in ihren Heimatort Ferrandina in der Basilikata, wo sie sich ganz ihrem neuen Roman widmen möchte. Mit ihrer Heimat verbindet sie nicht nur Schönes. Ihre Familie hat sie seit Jahren nicht gesehen, seit sie damals mehr oder weniger im Streit auseinandergegangen sind. Sie erinnert sich aber voller Wärme und Wehmut an die kleine rollende Bibliothek, mit der der pensionierte Maestro Antonio La Cava Bücher und Geschichten zu den Kindern der Basilikata gebracht hat, wovon auch sie selbst profitierte und in ihr den Wunsch wachsen ließ, Schriftstellerin werden zu wollen.
Während eines Spaziergangs in Ferrandina stößt sie auf das Bibliomotocarro, ebenjene himmelblaue Ape mit dem kleinen Bücheraufbau, mit der Maestro seit einem Vierteljahrhundert Kinder in den umliegenden Dörfern mit Lesestoff versorgt. Verwaist und leer steht sie in einer Garage. Adalina befürchtet das Schlimmste, denn der Maestro dürfte die 80 mittlerweile überschritten haben.
Er weilt aber nach wie vor unter den Lebenden, kann aber aufgrund eines Beinbruches zur Zeit mit der Ape nicht fahren. Da Adalina dem Maestro sehr viel zu verdanken hat, beschließt sie kurzerhand, seine Arbeit fortzuführen. Sie übernimmt das Bibliomotocarro und bringt nun selbst Bücher und Geschichten zu den Kindern…
Was zu schön klingt, um wahr zu sein, ist aber keine fantastische Idee der Autorin, sondern beruht auf tatsächlichen Begebenheiten 😊 Das Bibliomotocarro gibt es wirklich! Ebenso den Maestro Antonio La Cava! 😊 Und beide sind nach wie vor unterwegs, um Geschichten zu jenen zu bringen, die aufgrund der abgelegenen Lage in der Basilikata keinen Zugang zu Büchern haben! Tessa Hansen hat keine Mühen gescheut, sich selbst vor Ort einen Überblick zu verschaffen, gründlich zu recherchieren und natürlich auch Herrn La Cava persönlich zu treffen😊
Nun aber nochmal zur Adalinas Geschichte 😉 :
Adalinas Kindheit war von Entbehrungen geprägt. Als älteste Tochter trug sie früh Verantwortung für Haushalt und Geschwister, während ihre eigenen Wünsche wenig Raum fanden. Wie in vielen touristischen Gebieten mussten die Kinder im Sommer oft ihre Zimmer hergeben, damit Urlauber gegen Geld ein paar Tage im Ausland verbringen konnten. (Gab es auch in Deutschland btw!). Von ihr wurde ein bodenständiger Lebensweg erwartet. Doch Maestro La Cava erkannte Adalinas Talent und ermutigte sie, ihren Traum vom Schreiben zu verfolgen. Dafür legte er sogar bei ihren Eltern ein gutes Wort für sie ein, die ihren Wunsch zwar akzeptieren, Adalinas Entscheidung aber keineswegs respektieren…
Es wundert daher also nicht, dass Antonio und seine Frau Maria für Adalina so etwas wie eine Ersatzfamilie werden, während sie erst nach und nach wieder Zugang zu ihrer leiblichen Familie findet. Allmählich reift in ihr der Gedanke, länger zu bleiben oder vielleicht sogar ganz zurückzukehren. Sie hat durch die lange Abwesenheit zu ihrer Heimat, einen neuen, unverblümten Blick auf die Basilikata bekommen. Im Zuge dieser Überlegungen entscheidet sich Adalina später sogar dafür, sich ein Tiny Haus zu kaufen, welches im Garten der La Cavas stehen darf! 😊 Ein Tiny Haus!!! 😊 So etwas hätte ich total gerne! 😊
Neben dieser Entwicklung gewährt der Roman auch Einblicke in das Schreiben selbst und in den Alltag einer Autorin. Er erzählt von Schreibblockaden, fehlender Inspiration, Vertrauen in das eigene Geschriebene, Deadlines…
So entsteht eine leise, stimmungsvolle Geschichte voller italienischem Flair, die von Zugehörigkeit, Freundschaft und Herkunft erzählt und vor allem davon, welche Kraft in Büchern steckt, wenn sie Menschen Hoffnung schenken und Horizonte erweitern.
Gerade in der zweiten Hälfte des Buches nimmt das beschauliche Leben in Ferrandina an Fahrt auf. Dient das Buch zu Beginn eher der „Orientierung“, des Kennenlernens, so erleben wir auf den letzten 200 Seiten, was passiert, wenn man mutig ist, den ersten Schritt zu wagen; sich einzugestehen, dass es so nicht weitergeht; einen Neuanfang zu wagen; die Liebe einziehen zu lassen…
Die Figuren im Buch fand ich alle sehr authentisch. Wer jetzt tatsächlich noch existiert, z.B. Vinzenzo, weiß ich nicht, aber genau so könnte es gewesen sein 😉 Auch das Cover finde ich überaus gelungen!
Ich habe „Adalina und die Liebe zu den Büchern“ zweimal gelesen, einmal als Testleserin und jetzt noch einmal. Und wieder wurde ich verzaubert, habe das südliche Italien in der Basilikata kennengelernt, ist mein Wunsch nach einer Bücher-Ape, nach einem eigenen Bibliomotocarro, noch größer geworden (ich sehe seit dem ersten Lesen überall Apen 😉 ) und ich wünsche mir nach wie vor, selber mal den unteren Teil des Stiefels zu bereisen 😉
Tessa Hansen hat mit ihrem neuen Roman, der einen leicht schön-melancholischen Touch hat, ein wunderschönes Sommerbuch geschrieben ( wenngleich der Roman im Dezember beginnt 😉 ). Wer auf der Suche nach etwas Ruhigem ist, macht mit diesem Buch alles richtig! Er ist eine Hommage an das geschriebene Wort, an all die Geschichten, die sich jemand ausgedacht hat, um sie anderen zu erzählen! Dazu passen dann auch die „weißen Bücher“, die der Maestro an die Schüler ausgeteilt hat, um sie mit Leben zu füllen… 😊
Von mir bekommt „Adalina und die Liebe zu den Büchern“ von Tessa Hansen
5 /5
!
Auf Tessa Hansens Website solltet ihr unbedingt vorbeischauen! 🙂 Denn dort findet ihr Impressionen zu ihrer Recherchereise zu diesem Buch. Ich habe mich sofort in die Bilder und die himmelblaue Ape verliebt und ich wette, euch wird es genauso ergehen 🙂 Und wer Lust hat, das Bibliomotocarro zu unterstützen – ja, es fährt noch immer 🙂 – findet dort auch die Angaben zum Spendenkonto!
Einen weiteren Bericht zum Antonio La Cava ubd seine rollende Bibliothek fondet ihr auch hier!
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Über die Autorin:
„Tessa Hansen ist das Pseudonym der in 1966 in Wuppertal geborenen Autorin Regina Mengel. Ihr Herz schlägt für romantische Komödien und für Hamburg, wo ihr Bücherschiff beheimatet ist.“
( Quelle Insel Verlag / Suhrkamp )
„Adalina und dieLiebe zu den Büchern“ von Tessa Hansen
Ein Roman erschienen im Insel Verlag / Suhrkamp am 23.06.2026
ISBN 978-3458684527
348 Seiten
Taschenbuch
Auch als Ebook erhältlich
Mehr Bücher von Tessa Hansen:
„Winterzauber auf dem kleinen Bücherschiff“
„Neues Glück auf dem kleinen Bücherschiff“

