„Das glückliche Leben“

Rezension 451

„Das glückliche Leben“ von David Foenkinos

Aus dem Französichen von Christian Kolb

Nicht nur durfte ich dieses Buch vorab lesen, ich durfte auch mit einer Gruppe weiterer Blogger an der Premierenlesung am 01.09. von David Foenkinos im KiWi-Verlag teilnehmen 🙂 Dazu aber später mehr! 😉

Worum geht es?

Rezension
Copyright KiWi Verlag

„Wenn wir die Chance hätten, noch mal neu anzufangen: Was würden wir tun? Éric erlebt während einer Reise nach Seoul das ungewöhnliche Self-Help-Ritual der eigenen Fake-Beerdigung. Mit dem konkreten Ende vor Augen entscheidet er sich für den ungewissen Neuanfang – und findet das Glück und die Liebe.!

Meine Meinung:

David Foenkinos Roman ist in drei Teile gegliedert. Im ersten lernen wir den Protagonisten Éric kennen. Éric lebt in Paris, ist geschieden, arbeitet seit etlichen Jahren bei Decathlon, fängt allerdings an sich zu fragen, ob es das nun war! Kommt da noch was? Da kommt die Email einer ehemaligen Mitschülerin wie gerufen! Amélie arbeitet für die Regierung und sucht für ihr Team noch einen fähigen Mitarbeiter. Bei ihrer Suche ist sie im Netz auf Éric gestoßen, mit dem sie seinerzeit zur Schule ging. Allerdings hatten sie bereits damals kaum Kontakt und Éric wundert sich doch sehr. Seine Neugierde ist aber geweckt und nach einem Treffen mit ihr kündigt er tatsächlich seinen gutbezahlten und sicheren Job beim Sportartikelhersteller und fängt beim Ministerium für Außenhandel an.

Während einer Geschäftsreise nach Seoul gerät Érics Leben plötzlich aus den Fugen; er nimmt einen wichtigen Termin mit Amélie und dem koreanischen Geschäftspartner nicht wahr. Er gelangt durch Zufall an einen Ort mit dem Namen „Happy Life“ – ein Zentrum, das seinen Gästen eine ganz besondere Erfahrung ermöglicht – man kann dort die eigene Beerdigung simulieren. Ziel dieser Übung ist es, sich mit der Endlichkeit des Lebens auseinanderzusetzen und so herauszufinden, was einem wirklich wichtig ist. Hier schließt der zweite Teil des Buches an!

Éric nimmt das Angebot an. Es ist eine Erfahrung voller Stille und Dunkelheit, bei der er einen tiefen Einblick gewinnt, was ihm im Leben fehlt. Nach dem Ritual fasst Éric einen Entschluss. Zurück in Paris kündigt er seinen Job, nähert sich wieder seinem Sohn an, sucht Kontakt zu seiner Mutter und nimmt das Ritual der simulierten Beerdigung nach Frankreich mit. Bald eröffnet er Therapiezentren, die Menschen dabei helfen, ihre Ängste zu überwinden und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Im dritten und letzten Teil des Romans erfahren wir, wie es Amélie ergangen ist, als Éric nicht zum vereinbarten Termin aufgetaucht ist. Es gibt also einen Sprung in die Vergangenheit und im fortlaufenden Text erfahren wir, was sich in den letzten Jahren in Amélies Leben so getan hat. Sie nimmt sehr viel Raum im Buch ein und ihre Geschichte ist definitiv nicht minder interessant als Érics.

Foenkinos beschreibt seine Charaktere mit einem sehr liebevollen Blick; er beschreibt Éric als einen Menschen voller Zweifel, aber auch Hoffnung. Seine Entwicklung ist authentisch; von einem gestressten Workaholic wandelt er sich zu jemandem, der sein Glück aktiv sucht. Auch Amélies Entwicklung wird detailreich, mit viel Gefühl, beschrieben. Sie nimmt das Angebot von Éric irgendwann selbst in Anspruch, wodurch auch sie einen Neuanfang wagt und sich zwischen beiden eine stille, neue Liebe entwickelt…

Das zentrale Thema des Buches ist die Frage, was ein glückliches Leben ausmacht. Foenkinos verknüpft ernste Fragen wie Verlust, Identität und den Sinn der Existenz mit einer Leichtigkeit, die zum Nachdenken anregt, ohne zu bedrücken. Besonders die Idee, das Leben aus einer neuen Perspektive zu betrachten, indem man zeitweise so tut, als sei man tot, bringt den Leser dazu, seine eigenen Wünsche und Prioritäten zu hinterfragen.

Der Schreibstil des Autors ist, obwohl hier ein durchaus ernstes Thema beleuchtet wird, sehr leicht. Und genauso sollte das Leben auch betrachtet werden, aus einer hellen Sicht heraus! Aber nur, wer das dunkel gesehen hat, ist in der Lage, Licht als solches zu erkennen!

Das Buch wimmelt nur so von schönen und bedeutungsvollen Sätzen! Aber auch von traurigen… Ich habe unheimlich viele markiert, blaue Marker für Sätze von Éric, gelbe für Amélies 🙂 Einer meiner liebsten Sätze von Éric lautet:

(…) „Er hatte sich noch nie so gut gefühlt, war mit der Welt versöhnt, von der Last des menschlichen Daseins befreit. Eine unendliche Zärtlichkeit durchflutete ihn, da er still in der Dunkelheit ruhte. Indem er mit seinen sinnen den Tod erfuhr, erlebte er ein orgiastisches Glück.“(…) S. 115, 9-13

Ein Zitat von Amélie, das mich berührt hat, lautet:

(…) „Sie hatte Angst, ein für sie nahezu unbekanntes Gefühl. Und sie wusste nicht recht, woher sie diese Angst hatte.“ (…) S. 75, 22-22 Diese 2 Sätze beschreiben Amélies Innerstes, ihre innere Unruhe, recht gut!…

Das Buch hat mir gut gefallen und ich habe es an knapp drei Tagen gelesen 🙂 Ich wollte ja unbedingt für die Premierenlesung beim KiWi-Verlag gut vorbereitet sein 😉

Wir Blogger hatten einen tollen Nachmittag im Verlag 🙂 Bei französischem Gebäck haben wir nicht nur Verlagsmitarbeiter kennengelernt, in den Bereich der Covergestaltung reingeschnuppert, sondern natürlich auch den Autor selbst und seine sympathische deutsche Lektorin Johanna Links kennenlernen dürfen 🙂

David Foenkinos war sehr daran interessiert, mehr zu jedem einzelnen zu erfahren. Er nahm sich Zeit für unsere Fragen und er blickte genauso wertschätzend auf unsere Arbeit wie wir auf seine! 🙂

Die Premierenlesung später wurde übrigens von niemand geringerem als Mona Ameziane moderiert 🙂 Für mich ein sehr schöner Moment, mit ihr ein paar Worte wechseln zu können; bin ich doch ein großer Fan von ihr und ihrem Podcast „Zwei Seiten“, den sie zusammen mit Christine Westermann moderiert – von ihr bin ich natürlich auch Fan 😉

Es war ein wunderbarer Nachmittag und sehr illustrer Abend und ich komme gerne wieder zu Besuch 🙂 und damit ihr eine Vorstellung davon bekommt, wie es so zugegangenen ist, habe ich für euch ein paar Bilder hinterlegt! 🙂

Rezension
Fotos von Verena Breuer
Rezension
Copyright KiWi Verlag

Und das Buch „das glückliche Leben“ bekommt von mir

5/5 Rezension !!!

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Über den Autor:

„David Foenkinos, 1974 geboren, lebt als Autor und Drehbuchautor in Paris. Seit 2002 veröffentlicht er Romane, darunter der Millionenbestseller »Nathalie küsst«, der mit Audrey Tautou verfilmt wurde, »Charlotte« und »Das geheime Leben des Monsieur Pick«. Seine Bücher werden in über 40 Sprachen übersetzt.“

( Quelle kiwi-verlag.de )

„Das glückliche Leben“ von David Foenkinos

Ein Roman erschienen bei Kiepenheuer & Witsch am 04.09.2025

ISBN 9783462007923

224 Seiten

Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen

www.kiwi-verlag.de 

„Das glückliche Leben“ wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dies hatte jedoch keine Auswirkung auf meine Meinung und Bewertung!

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