„Der Wille versetzt Berge – Aus dem Leben einer türkischen Gastarbeiterfamilie“

Rezension 495

„Der Wille versetzt Berge – Aus dem Leben einer türkischen Gastarbeiterfamilie“ von Nuray Cesme

Worum geht es?

Der Wille versetzt Berge: Aus dem Leben einer türkischen Gastarbeiterfamilie
Copyright Dualedition

„Eine Familiengeschichte, die unsere Gesellschaft in Deutschland mitgeprägt hat: Als Gastarbeiter sucht Nuray Çeşmes Vater in den Sechzigerjahren sein Glück in Almanya. Aus den ärmlichen Verhältnissen seines kleinen Dorfes in der Türkei reist er ins Ungewisse, lässt Frau und Kinder zurück. Der Plan ist, im verheißungsvollen Deutschland einige Jahre gutes Geld zu verdienen, um es später zu Hause besser zu haben. Wie bei vielen seiner Generation wird aus ein paar Jahren am Ende sein ganzes Leben. Seine Familie folgt ihm – zumindest zum Teil – nach Deutschland, aber die Türkei bleibt für ihn immer die eigentliche Heimat. Seine Tochter, die Autorin Nuray Çeşme, wächst in Deutschland auf, geht zur Schule und findet Arbeit. Doch sie fühlt sich zerrissen zwischen zwei Kulturen, zwei Heimatländern. Als ein Schicksalsschlag die Zukunftspläne ihrer Eltern zunichtemacht, beginnt sie, auch ihr eigenes Leben zu überdenken.“

Meine Meinung:

Ich habe Nuray vor vielen Jahren kennengelernt und auf der Buchmesse 2018 haben wir uns dann das erste und leider auch das letze Mal getroffen! 😉 Gelesen habe ich von ihr bereits „Die Obsession“, ein sehr spannender Psychothriller. Ihre Familiengeschichte hatte Nuray mir bisher aber vorenthalten 😉

Ich finde es immer spannend, die Lebens- und Familiengeschichte von anderen zu erfahren! Wie man so schön sagt, die besten Geschichten schreibt doch das wahre Leben! 🙂 Und genau so ist es hier auch! 🙂 Wenn mich Nuray fragen würde, was mich am meisten beeindruckt hat in ihrem Buch oder was bei mir am ehesten hängengeblieben ist, dann würde ich sagen, ihr Vater, wie er auf einem alten Damenrad freudestrahlend an seinem letzten Arbeitstag nach Hause fuhr, mit seiner Arbeitstasche um die linke Schulter und zwei Blumensträußen in der rechten Hand. 🙂

Aber natürlich habe ich noch sehr viel mehr behalten! 😉 Wie das so ist, wenn jemand von der Familie erzählt, man saugt alles auf, vergleicht mit der eigenen Familie, dem eigenen Leben. Und das nicht auf einer überheblichen Art und Weise, sondern auf Augenhöhe! Wir haben alle unser Päckchen zu tragen. Und manche von uns waren mit ganzen LKW-Ladungen unterwegs…

Als Nuray das Buch „Der Wille versetzt Berge“ geschrieben hat, war sie noch nicht als Autorin tätig. Das merkt man auch ihrer Schreibe an, die mehr an ein Teetrinken mit der Freundin erinnert, als an ein Werk, das durch alle lektorarischen Intsanzen gegangen ist. Aber gerade das macht das Buch so nahbar, so authentisch! 🙂 Es macht nichts, dass sie in den Zeiten springt, hier und da etwas wiederholt, was sie bereits erwähnt hatte. Beim Lesen hat man die ganze Zeit über so ein Gefühl von Gemütlichkeit und Nähe! Das war wirklich wunderbar! 🙂

Und das, was Nuray erzählt, ist wirklich spannend! Der Weg ihres Vaters in die Fremde, dieser Optimismus, dass alles gut  gehen wird, die Entbehrungen, die Familie für Jahre in der Heimat zurückzulassen, um in der Fremde für eben diese zu sorgen – die einen würden sagen, das war sehr naiv und einfältig, die anderen – zu denen zähle ich mich – sagen, es war sehr mutig und ein Weg voller Schmerz und Liebe!

So wie Nuray erzählt, wie sich alles entwickelt hat, die Familie irgendwann nachkam, klingt das erstmal  zu schön um wahr zu sein. Der Vater hatte einen guten Job, auch die Mutter fand später Arbeit, trotz der Sparchbarrieren (deutsch  hat sie nie gelernt, da immer im Raum stand, bald in die Türkei zurückzukehren). Ihr Credo war: „Der Wille versertzt Berge!“ Und die Kinnder gingen zur Schule! Alles supi! Oder etwa nicht?

Nuray macht keinen Hehl daraus, dass ihre Familie nicht so geeint war, wie es zuerst den Eindruck macht. Nurays ältere Geschwister, die schon älter waren, als sie nach Deutschland kamen, haben mie richtig Fuß gefasst und sind früh in die Türkei zurückgekehrt. Auch deutsche Freunde und Bekannte waren erstmal nicht in Sicht, man blieb unter sich, allein schon wegen der Sprache (wie gesagt, der Aufenthlat sollte ja nicht für immer sein). Nur Nuray, die in Deutschland aufwuchs, zur Grundschule ging, sprach irgendwann fließend Deutsch und fand auf der weiterführenden Schule auch endlich eine Freundin fürs Leben und lernte rasch auf eigenen Beinen zu stehen, auch ohne Mann 🙂 …

Ich mag jetzt gar nicht noch mehr erzählen, sonst braucht ihr euch das Buch ja nicht mehr zu kaufen 😉 Aber ich finde es nach wie vor total schön, dass Nuray uns einen so intimen Blick in ihre Lebensgeschichte werfen lässt 🙂 Es lässt einen die Geschichte unserer türkischen Mitbürger viel besser verstehen. Dieses zwischen zwei Stühlen sitzen kenne ich auch von Freunden; man ist Deutsch, ist hier geboren und aufgewachsen, hat deutsche Traditionen übernommen, kann aber seine türkischen oder kroatischen oder polnischen Wurzeln nicht leugnen und möchte auch daran festhalten!

Und ich finde, „Der Wille versetzt Berge“ ist ein gutes Buch dafür, sich besser in die Gastarbeitergeschichte reinzudenken und reinzufühlen. Nurays Vater hat sein bestes getan und gegeben, leider starb er viel zu früh, um seinen Lebensabend noch gebießen zu dürfen, nachdem er einen Schlaganfall hatte, von dem er sicht mehr richtiig erholte…

Wer mal nach einer anderen Lektüre sucht und offen ist für die Lebensgeschichte anderer, dem sei dieses Buch sehr ans Herz gelegt 🙂

Mir hat es sehr gut gefallen! 🙂 Und Nurays Papa hätte ich nur zu gerne kennengelernt! Wie gesagt, ich sehe ihn vor mir, auf dem alten Damenrad, mit Arbeitstasche und Blumensträußen in der Hand, wie er an seinem lezten Arbeitstag freudestrahlend nach Hause fuhr, zu seiner Familie…

Von mir bekommt das Buch daher

5 / 5 Rezension !!!

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Über die Autorin:

Nuray Çeşme, geboren 1976 in Balıkesir, lebt in Hamburg. Sie ist geprüfte Bilanzbuchhalterin und arbeitet als Abteilungsleiterin in einem Hamburger Konzern. Nach dem Tod ihres Vaters hat sie angefangen, seine Lebensgeschichte aufzuschreiben und damit Erinnerungen an ihre eigene Kindheit zusammenzutragen.“

( Quelle Dualedition.de )

„Der Wille versetzt Berge – Aus dem Leben einer türkischen Gastarbeiterfamilie“ von Nuray Cesme

Eine Familienbiografie erschienen bei Dualedition am 15.09.2016

ISBN 978-3942585033

208 Seiten

Klappenbroschur

„Der Wille versetzt Berge“ wurd emir von der Autorin und vom Verlag als Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hatte jedoch keine Auswirkung auf meine Meinung und Bewertung!

 

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