Rezension 453
„Die Bibliothek meines Großvaters“ von Masateru Konishi
Aus dem Japanischen von Peter Aichinger-Fankhauser
Worum geht es?

„Kaede, eine junge Lehrerin aus Tokio, stößt eines Tages auf seltsame Zeitungsausschnitte, die in einem gebrauchten Buch stecken. Ein Rätsel! Sie muss sofort an ihren Großvater denken, der trotz seiner Demenzerkrankung über eine unglaubliche Kombinationsgabe verfügt. Außerdem weist er ein enormes Wissen auf, wenn es um die großen Klassiker der Kriminalliteratur geht. Gemeinsam lassen die beiden ihrer Fantasie freien Lauf und lösen so meisterhaft allerlei kleine und große Rätsel, auf die Kaede in ihrem Alltag stößt. Doch plötzlich nähert sich Kaede ein bedrohlicher Schatten, der die beiden auf eine harte Probe stellt. Kann ihre gemeinsame Liebe zur Literatur sie retten?“
( Quelle Klappentext zu „Die Bibliothek meines Großvaters“ )
Meine Meinung:
„Die Bibliothek meines Großvaters“ von Masateru Konishi ist ein berührender Roman, der die Geschichte von Kaede und ihrem demenzkranken Großvater auf ebenso spannende wie kluge Weise erzählt. Das Buch ist eine gelungene Mischung aus Familiengeschichte, Freundschaft und einem Hauch von Krimispannung. Na gut, eher thrillerhafter Spannung 😉 Aber lest selbst:
Masateru Konishi nimmt die Lesenden mit nach Tokio. Dort löst Kaede, Lehrerin und leidenschaftliche Leserin, Rätsel mit verschwundenen Kolleginnen, einem Mord und noch mehr. Bei all diesen Ungereimtheiten denkt sie an ihren Großvater, der einst Lehrer an ihrer Schule war und nun leider von Demenz betroffen. Trotz seiner Krankheit bleibt sein Verstand in besonderen Momenten hellwach, vor allem, wenn es um die Werke der Kriminalliteratur geht. Eine Zigarette wirkt da Wunder 😉 Die beiden lösen in seinem Wohnzimmer, das einer Bibliothek gleicht, gemeinsam Kaedes Rätsel und erleben schöne Großvater-Enkelin-Momente.
Kaedes Großvater ist der einzige, der ihr noch von ihrer Familie geblieben ist. Ihre Mutter starb, schwanger mit Kaede, am Tag ihrer Hochzeit. Auch ihr Vater lebt nicht mehr. So lässt sich diese sehr innige Beziehung zwischen Kaede und ihrem Großvater sehr gut nachvollziehen.
Aber auch Kaedes Freunde, ihr Kollege Iwata und dessen Freund Shiki, lieben es, reale und mysteriöse Fälle zu lösen. Als aber aus Spaß plötzlich Ernst wird, nimmt nicht nur das Tempo im Buch Fahrt auf, sondern es wird wirklich gefährlich…
Konishis Schreibstil wirkt angenehm, leicht lesbar und irgendwie auch beruhigend. Jede Szene ist liebevoll ausgearbeitet, von alltäglichen Gesprächen bis hin zu spannenden Rätselaufgaben, die einem Krimi würdig sind. Besonders gelungen ist, wie die psychische Erkrankung des Großvaters sensibel und ehrlich dargestellt wird, ohne die Leichtigkeit der Erzählung zu verlieren.
Ich fand auch die Charaktere im Buch sehr gut ausgearbeitet. Kaede ist mutig, wissbegierig und beweist Mitgefühl und Stärke, während ihr Großvater auch in schwierigen Momenten mit Scharfsinn und Lebensfreude überrascht. Iwata ist ein loyaler Freund, ebenso wie Shiki! Die beiden sehr unterschiedlichen Männer haben aber eine Gemeinsamkeit: Ihr Herz schlägt für Kaede. Nur sie weiß es (noch) nicht 😉
Der Roman basiert zum Teil auf den eigenen Erfahrungen des Autors mit der Pflege seines demenzkranken Vaters, wodurch der Blick auf Krankheit und familiäre Verantwortung besonders authentisch wirkt.
Der Plottwist im Buch ist meines Erachtens sehr gelungen: Die ersten Zweidrittel des Romans empfindet man noch als leicht, gemütlich, geordnet. Und dann, wie oben bereits erwähnt, passiert etwas und das Tempo ändert sich. Und nicht nur das, auch die Gedanken der Protagonisten, ihr Verhalten wird schneller, fahriger. Man spürt das Unbehagen, die Angst beim Lesen! Und ZACK ist aus einem Roman ein Thriller geworden! 🙂
Aber Masateru Konishi findet eine gute (Auf-)Lösung für das Ende seiner Geschichte, sodass schließlich alles rund ist und wieder logisch! 🙂
Ich möchte jetzt zum Schluss noch auf das sehr schöne Cover und den genauso schönen Farbschnitt eingehen 🙂 :
Wir sehen eine junge Frau, das Gesicht dem Betrachter abgewandt, wie sie ein Buch in den Händen haltend einem Mann nachschaut, der sich von einem Raum mit vielen Büchern – offensichtlich eine Bibliothek – entfernt und einen Weg entlang schreitet. Ich finde das Bild sehr schön gewählt, wenn man bedenkt, dass sich Kaedes Großvater aufgrund seiner Demenzerkrankung seiner Enkelin immer mehr entfernt. Er geht in ins Helle, wo diese düsteren Dämonen keinen Besitz mehr über ihn haben!…
„Die Bibliothek meines Großvaters“ ist ein Buch, das durch diese Kombination aus Rätselspaß, warmherziger Familiengeschichte und kriminellen Machenschaften begeistert.
Mir haben besonders die Passagen gefallen, wo auch die Jungs mal aus sich herauskamen und der Leser mehr über sie erfährt! Berührend fand ich auch, was man über Kaedes Familie erfährt; Dinge, die der Großvater vergessen hatte und für einen Moment wieder an die Oberfläche dringen…
Am besten hat mir aber das Ende gefallen! Dieser Großvater ist schon ein Schlitzohr!! 🙂 ( Was genau ich damit meine, versteht ihr, wenn ihr das Buch gelesen habt 😉 )
Für alle, die liebenswerte Figuren, Rätsel und kriminelle / thrillerähnliche Elemente lieben, ist dieses Buch eine klare Empfehlung! 🙂
Von mir gibt es
4 / 5
!!!
Über den Autor:
„Masateru Konishi, geboren 1965, arbeitet als Autor für Fernsehen und Radio. »Die Bibliothek meines Großvaters« ist sein erster Roman, der in Japan mit einem prestigeträchtigen Preis ausgezeichnet wurde. Das Buch, das zum Teil auf seinen eigenen Erfahrungen mit der Pflege seines demenzkranken Vaters beruht, war ein großer Bestseller in Japan und ist Teil einer Trilogie.“
( Quelle kiwi-verlag.de )
Über den Übersetzer:
„Peter Aichinger-Fankhauser studierte Japanologie und vergleichende Literaturwissenschaft in Wien und Tokio. Anschließend war er in der Forschung sowie als Lektor am Institut für Ostasienwissenschaften der Universität Wien tätig. Nach einem Ausflug in die Privatwirtschaft arbeitet er heute als Übersetzer aus dem Japanischen und Englischen.“
( Quelle kiwi-verlag.de )
„Die Bibliotheek meines Großvaters“ von Masateru Konishi
Ein Roman erschienen im KiWi- Verlag am 14.08.2025
ISBN 978-3462011722
336 Seiten
Klappenbroschur (z.T. mit Farbschnitt )
Auch als Ebook und Hörbuch erhältlich
„Die Bibliothek meines Großvaters“ wurde mir vom Verlag als Bloggerpaket unverlangt zugesandt. Dies hatte jedoch keine Auswirkung auf meine Meinung und Bewertung!

