Rezension 496
Nominiert für den Goldenen HOMER 2026:
„Die Frauen vom Tafelberg“ von Inès Keerl
Worum geht es?

„Kapstadt, 1672. Sieben Jahre nach den dramatischen Ereignissen am Tafelberg steht Catharina Ustings erneut vor einer existenziellen Bedrohung: Sie wird des Mordes bezichtigt und soll nach Mauritius verbannt werden. Zusätzlich drohen ihre heimliche Affäre mit einem neuen Kommandanten und ein gefährliches Geheimnis sie zu vernichten. Gemeinsam mit der ehemaligen Sklavin Amisha und Krotoa, der »Urmutter Südafrikas«, riskiert Catharina alles, um ihre Farm, ihre Freiheit und ihr Glück zu retten.
( Quelle Klappentext zu „Die Frauen vom Tafelberg“ )
Meine Meinung:
Vor zwei Jahren durfte ich bereits „Die Löwin vom Tafelberg“ von Inès Keerl im Zuge der Preisverleihung des Goldenen Homer lesen 🙂 In diesem Jahr ist es mir vergönnt den zweiten Band ebenfalls im Zuge der Preisverleihung besprechen zu dürfen 🙂
Kurz zum ersten Band:
In „Die Löwin vom Tafelberg“ versucht die junge Catharina Ustings 1662 einer Zwangsheirat zu entfliehen und begibt sich von Lübeck aus auf eine gewagte Reise in ein unbekanntes Land. Verkleidet als Mann versteckt sie sich auf einem Schiff der Vereinigten Ostindischen Kompanie (VOC). Sie möchte nach Batavia reisen, gelangt aber nur bis ans Kap der Guten Hoffnung. Denn während der Schifffahrt wird sie Zeugin eines Mordes und hofft, am Kap dem Mörder zu entkommen. Doch am Kap wird es nicht leichter für sie, denn in der brutalen Männerwelt der ersten Siedlungsjahre Kapstadts muss sie weiterhin für ihre Freiheit kämpfen – und den Mörder fürchten…
Catharina baut sich dennoch ein respektables Leben auf, mit Hans Ras, den sie heiratet und mit dem sie 3 Kinder bekommt, und mit Freunden und starken Frauen an ihrer Seite, die sich wie sie nicht unterkriegen lassen! …
Nun sind 7 Jahre ins Land gegangen, aber Catharina kommt nicht zur Ruhe. Hans stirbt und Catharina muss sich, ihre Kinder und ihr Land schützen. Denn Cudrop, der Secunde, der stellvertretende Kommandant, hatte es von Anfang an auf sie und nun ihre Farm abgesehen. Eine Reihe von Entscheidungen sind zu treffen, alle fällt sie nur zum Schutz ihrer Liebsten…
Aber auch Amisha und besonders Eva/Krotoa
Als Simon van der Stel den Posten des Kommandanten nach Kommandant Herenthals Tod übernimmt, scheint sich die Lage am Kap zu entspannen. Zwischen Catharina und dem Kommandanten entspinnt sich nach und nach eine feine Liaison, eine zärtliche Liebe, die nur für den Moment bestimmt ist. Eine verhängnisvolle Affäre allerdings, die Cudrop wieder auf den Plan ruft. Warum nicht gleich zwei Leben zerstören, um endlich den Posten des Kommandanten zu bekommen? Denn van der Stel hat in seinen Augen den leitenden Posten nicht verdient, ist er doch Sohn einer Bengalin! Und er weiß etwas, dass Catharina alles kosten wird!…
…
An dieser Stelle mache ich einen Cut, denn die Geschichte ist so dicht, so groß, dass es schändlich von mir wäre, noch mehr von ihr preiszugeben 🙂
Aber ich denke, ihr habt einen guten Eindruck bekommen, was Catharina erleiden und durchmachen musste!
Zum Glück steht sie nicht vollends allein mit dem Rücken gegen die Wand. An ihrer Seite sind tolle, loyale Menschen wie Arre, ein Khoi, den wie sie ihren eigenen Sohn behandelt. Hermann Remayenne, ein Freund von ihr und Eva, die wie ihre beste Freundin ist! Amisha, die alles andere als ihre Freundin ist, aber beide haben denselben Feind, das verbindet. Ihre Freunde Mayken und Hendrik, die jedoch nach Mauritius ausgeliefert werden. Und selbst Gonnomoa, Stammesoberhaupt der Qochoqua, darf zu ihren Freunden gezählt werden. Nicht zu vergessen die Männer, die nach Hans kamen, Francois und Matthys…
Jedoch obliegt es in diesem Buch wirklich den Frauen, für ihr Recht einzutreten, zu kämpfen, zu verhandeln und sich zu verbünden! Amisha hat Angst um ihren Mann und ihren Sohn und wird gezwungen, um ihrer Existenz willen, sich gegen Catharina zu stellen. Eva, auch Krotoa genannt, fungiert als Vermittlerin zwischen der VOC und den Khoi und trifft die krasseste aller Entscheidungen – für ihre Tochter, für Catharina! Und Catharina selbst, die ihren Traum von einem freien, selbstbestimmten Leben, nicht aufgibt! Niemals! Auch wenn sie dafür töten müsste…
Es sind die Frauen, in diesem Buch, die klug und weise handeln, kämpfen wie eine Löwin, für ihre Liebsten sterben würden – denn Frauen sind es, die alles zusammenhalten. Das war damals so und ist es heute noch immer…
Die Männer in diesem Buch bewegen sich dagegen eher im Hintergrund, bzw. können den Frauen in der Geschichte nicht das Wasser reichen 😉 Allerdings sind sie für den Verlauf und Fortgang der Geschichte nicht unwichtig ;-)Besonders van der Stel ist es, der Catharina später ermutigt, Wein auf ihrem Land anzubauen!
Einzig Cudrop zieht sich wie ein böser roter Faden durch beide Bände! Ein Widerling par excellence! Ob er diesmal sein Fett wegkriegt?…
Wie schon im ersten Band basiert die Geschichte der „Frauen vom Tafelberg“ auf historischen Ereignissen, die Inès Keerl für das Buch etwas ausschmückt und mit fiktiven Personen und Geschehnissen angereichert hat. Die VOC-Station am Kap, die Rivalitäten unter den Offizieren, die Rolle der Vrijburgher und die vertrakte Situation von Frauen und Sklaven sind jedoch historisch fundiert. Allerings verweist die Autorin selbst darauf, dass sie bestimmte Begebenheiten abgeändert hat, um Catharinas Geschichte lebendiger, greifbarer und dramatischer werden zu lassen. Das ist auch völlig legitim, schließlich wollte Inès Keerl kein Sachbuch schreiben, sondern eine spannende Geschichte mit starken Frauen, über eine Zeit, über die man am liebsten die Decke des Schweigens breiten würde. Es geht hier aber nicht um Schuldzuweisung! Es geht um die nahbar geschaffene Kolonialgeschichte Südafrikas, um die Menschen und deren Leben!…
Inès Keerl gelingt es, all dies sehr anschaulich darzustellen! Ihr Schreibstil ist nicht nur bildhaft, sondern auch leicht und mitreißend! Ich konnte mir alles, die Farm, die VOC-Station, selbst die Wäscherei von Amisha und noch vieles mehr so gut vorstellen, als wäre ich selbst schon mal dort gewesen! (War ich ja quasi auch, im ersten Band 😉 ).
Und auch die Handlung ist jederzeit logisch nachvollziehbar, wennauch sehr kompakt. Historie und fiktive Handlung, das Gehabe der VOC und das Leben der Landbevölkerung sind nah- und greifbar ausgearbeitet worden. Ein Plus ist hier definitiv das Personenregister am Ende des Buches, das gerade bei einem Roman mit vielen Figuren und historischen Namen hilft, den Überblick zu behalten 🙂
Inès Keerl gelingt mit „Die Frauen vom Tafelberg“ ein starker, in die Tiefe gehender Roman, der einen Blick auf eine Zeit wirft, in der Frauen wie Catharina Ustings nur wenig Rechte hatten und dennoch versuchten, ein eigenständiges Leben zu führen und ihr Glück zu finden. Wer ein Buch sucht, dass gekonnt Geschichte mit spannender Frauenliteratur verknüpft, ein Buch über Freundschaft und Loyalität über Widerstände hinweg, ein Buch über den Preis der Freiheit in einer rauen, ungerechten Welt, findet in „Die Frauen vom Tafelberg“ von Inès Keerl ein Buch, das fesselt und nachhallt!
Mich hat das Buch, ebenso wie Band 1 „Die Löwin vom Tafelberg“ nicht nur sehr gut unterhalten, sondern regelrecht umgehauen 🙂 Ich hatte eine tolle Lesezeit und war am Ende traurig, dass die Geschichte um Catharina Ustings nun zu Ende ist!… 🙁
Ich war und bin immernoch sehr beeindruckt, von diesem so gut recherchierten Buch! Von all den Bildern, die die Autorin in meinen Kopf gepflanzt hat, von den Emotionen, die sie in mir wachgerufen hat! 🙂 Ein Buch, nein, zwei Bücher, die es zu recht auf die Shortist des Goldenen HOMER geschafft haben! 🙂
Unabhängig von meiner offensichtlichen Begeisterung für dieses Buch, die wenig objektiv daherkommt 😉 , habe ich an diesem Buch wirklich nichts auszusetzen und vergebe
5 / 5
!!!
Wenn euch meine Buchbesprechung gefallen hat, dürft ihr auf den 05.09. gespannt sein 🙂 Da veröffentliche ich ein Interview mit der Autorin zu ihren „Frauen vom Tafelberg“ + einen Extra-Beitrag 🙂
Und wer gerne die Rezension zu „Die Löwin vom Tafelberg“ lesen möchte, kann dies hierhier gerne tun! 😊
Über die Autorin:
„Inès Keerl studierte Betriebswirtschaft in Koblenz. Nach neun Jahren in der Wirtschaft begann sie eine Ausbildung zur Drehbuchautorin an der Drehbuchwerkstatt München. Seit über 20 Jahren stammen zahlreiche TV-Serien und Filme aus ihrer Feder. Ihr erster historischer Roman »Die Löwin vom Tafelberg« war für den Goldenen HOMER 2024 nominiert.“
( Quelle Emons-Verlag.de )
„Die Frauen vom Tafelberg“ von Inès Keerl
Ein historischer Roman erschienen im Emons Verlag am 16.10.2025
ISBN 978-3740826000
496 Seiten
Taschenbuch
Auch als Ebook erhältlich

