Rezension 502
„Die Toten in der Wassermühle“ von Yukito Ajatsuji
Aus dem Japanischen von SABRINA WÄGERLE
Worum geht es?
„Ein maskierter Hausherr. Ein toter Gast. Und eine unheimliche Mühle …

Schon einmal haben geladene Kunstliebhaber ihr Leben in der Mühle verloren – weshalb der brillante Detektiv Kiyoshi Shimada nun zu den Gästen gehört. Warum verbirgt der Eigentümer sein Gesicht hinter einer Maske? Welche alten Feindschaften treten in der Mühle zutage? Und welches Geheimnis zeigen die Gemälde?“
Meine Meinung:
„Die Toten in der Wassermühle“ habe ich mit meinem Japan-Buchclub gelesen 🙂 Es war das dritte Buch, das wir dieses Jahr gemeinsam gelesen haben, allerdings der erste Krimi 🙂 Und wir waren richtig gut, was das Ermitteln anging 😉
„Die Toten in der Wassermühle“ von Yukito Ajatsuji ist ein klassischer Whodunnit-Roman, allerdings befindet sich der Schauplatz des Verbrechens nicht in einem englischen Landhaus, sondern in einer Wassermühle, abgelegen in den japanischen Bergen. Gepaart mit schlechtem Wetter – wie es eigentlich für England wieder typisch wäre 😉 – und einer illustren Gruppe an Personen, präsentiert uns der Autor eine mysteriöse Geschichte, die von rätselhaften Vorkommnissen und einer dichten, unheimlichen Atmosphäre lebt.
In dem geheimnisumwitterten Haus leben der Hausherr Fujinuma Ki´ichi, 41,
seine junge Frau Fujinuma Yurie, 19, und der Butler Kuramoto Shoji, 56. Einmal im Jahr lädt der Eigentümer vier Kunstliebhaber zur Besichtigung seiner erlesenen Sammlung ein, doch beim Treffen im letzten Jahr kam es zu rätselhaften Todesfällen. Nun, ein Jahr später, findet sich eine neue Runde zusammen. Mit von der Partie der Detektiv Kiyoshi Shimada, der die Vorgänge von damals aufzuklären gedenkt.
Aber schon bald eskaliert die Situation erneut! Einer der Gäste stirbt und bei einem Toten soll es in dieser Nacht nicht bleiben…
Yukito Ayatsuji inszeniert das Geschehen sehr geschickt! Es gibt quasi nur einen Schauplatz, aufgrund des schlechten Wetters kann niemand entkommen (es kann aber auch keiner rein), die Anzahl der Verdächtigen ist überschaubar und die Wiederholung eines erneuten Verbrechens erzeugen bei mir als Leser ein nervöses Unbehagen.
Die Charaktere scheinen willkürlich gewählt. Wir haben da einen Krankenhausdirektor, einen Kunsthändler, einen Professor für Kunstgeschichte und einen Abt. Im letzten Jahr war noch Ki´ichis bester Freund anwesend, MasakiShingo, 38. Allen spürt man die Nervosität an, denn natürlich haben sie nicht vergessen, was sich im letzten Jahr an genau diesem Ort, dem Mühlenhaus, zugetragen hat…
Durch gezielte Hinweise, Worte oder Taten und durch Rückblenden in die Vergangenheit, gelingt es dem Autor, dem Leser einen Überblick zu verschaffen, was wie und wo im letzten Jahr geschehen ist und wie das Geschehen jetzt in der Gegenwart zu betrachten ist. Hilfreich ist definitiv das Namensglosssar am Anfang des Buches, ebenso ein Grundrissplan des Mühlenhauses. Ich selbst habe mir noch ein Maindmap erstellt, welches beide Jahre, 1985 und 1986, beleuchtet. Und ich habe meine Erkenntnisse schriftlich festgehalten und immer wieder auf Plausibilität überprüft 😉 Und ich muss sagen, dass sowohl ich als auch die anderen Mitglieder im Japan-Buchclub gar nicht so schlecht waren 😉
Was ich sehr schätze an diesem Buch, ist der klare, strukturierte Ton. Das ist mir schon bei anderen Büchern japanischer Autoren aufgefallen! Was ich aber ebenso liebe ist, wie Ayatsuji das Haus, also seine Gänge, Räume und vor allem die Mühlräder mit in die Handlung einbaut. So wird das Gebäude ebenso zu einem Verdächtigen wie die Menschen, die in ihm verweilen 😉
„Die Toten in der Wassermühle“ richtet sich also vor allen Dingen an Leserinnen und Leser, die klassische Kriminalrätsel schätzen und Wert auf eine klare, nachvollziehbare Lösung legen. Wer schnelle Verfolgungsjagden oder psychologische Täteranalysen erwartet, wird sich womöglich schnell langweilen. Hingegen werden die Fans von „Bizarre-Häuser“-Krimis und japanischen Mystery-Romanen voll auf ihre Kosten kommen 🙂
Yukito Ayatsuji liefert mit „Die Toten in der Wassermühle“ einen handwerklich sauberen, atmosphärisch dichten Krimi, der das Closed-Room-Prinzip konsequent bedient. Das Buch ist nicht laut, sondern punktet mit leisen Tönen. Es spielt mit Hinweisen, Motiven und der Architektur des Hauses. Und genau darin liegt sein Reiz! Für Liebhaber des klassischen Whodunit eine klare Empfehlung! 🙂 Einzig auf die mir oder uns Europäern nicht geläufigen japanischen Namen sei verwiesen. Bis zum Schluss hatte ich trotz Glossar, trotz Mindmap meine Probleme mit der Zuordnung 😉
Von mir gibt es daher
4,5 / 5
!
Wer gerne mmal in das Buch hinein lesen möchte, kann dies hier tun. Übrigens lassen sich der erste Bizarre-Häuser Band und dieser hier unabhängig voneinander lesen 🙂
Über den Autor:
„Yukito Ayatsuji, geboren 1960 in Kyoto, Japan, ist ein renommierter Autor und einer der führenden Vertreter des modernen japanischen Krimis. Er gehört der Bewegung der Shin-Honkaku-Mystery an, die klassische Krimis neu interpretiert und den Fokus auf komplexe Rätsel und überraschende Wendungen legt. Yukito Ayatsuji begann schon früh mit dem Schreiben von Kriminalgeschichten. Nach seinem Schulabschluss im Jahr 1979 nahm er ein Studium an der Pädagogischen Fakultät der Universität Kyoto auf und schloss sich dort der »Gesellschaft der Detektivforscher« an, einer Gruppe, die sich intensiv mit dem Genre der Kriminalliteratur beschäftigte. Noch während seines Studiums reichte Ayatsuji das Manuskript seines Romans »Die Morde im Dekagon-Haus« für den renommierten Edogawa-Rampo-Preis ein. Der Roman schaffte es auf die Longlist und machte Ayatsuji bereits vor Erscheinen bekannt. 1987 wurde der Krimi schließlich veröffentlicht und umgehend ein großer Erfolg. Er gilt bis heute als Meilenstein der modernen japanischen Kriminalliteratur, und die »Bizarre House Murders« Reihe hat sich über 8 Millionen Exemplare verkauft. Seitdem hat Yukito Ayatsuji über 20 Romane veröffentlicht, dazu eine Vielzahl von Kurzgeschichten, Essays und weiteren literarischen Arbeiten.“
( Quelle penguin.de )
„Die Toten in der Wassermühle“ von Yukito Ajatsuji
Ein Kriminalroman erschienen im Limes Verlag am 29.07.2026
ISBN 978-3809028000
336 Seiten
Gebundene Ausgabe
Auch als Ebook erhältlich

