Rezension 498
„Die üblichen Mauern“ von Gerhard Weinreich
Worum geht es?

„Unerwartet stirbt der Finanzleiter eines bayerischen Bistums. Während die Staatsanwaltschaft von einer natürlichen Todesursache ausgeht, wird die Glaubenskongregation in Rom hellhörig und setzt Monsignore Ries auf den Fall an. Handelt es sich in Wahrheit um ein Verbrechen, in das ein Kirchenvertreter verwickelt ist? Der Verdacht fällt rasch auf Bischof Ehrmann – ein Mann mit allzu weltlichen Geheimnissen, der gemeinsam mit seiner Geliebten, der Architektin Viktoria, ein vermeintlich perfektes Verbrechen begeht, um einen Mitwisser auszuschalten… Die Untersuchung spitzt sich zu, als der Papst im Sterben liegt. Sein baldiger Nachfolger hat ausgerechnet diesen Bischof als neuen Präfekten der Glaubenskongregation auserkoren, so daß Monsignore Ries gegen seinen künftigen Vorgesetzten ermittelt.“
( Quelle Klappentext zu „Die üblichen Mauern“ von Gerhard Weinreich )
Meine Meinung:
Was als erstes bei diesem Buch auffällt ist, dass man von Anfang weiß, dass ein Mord stattgefunden hat und wer ihn begangen hat und sogar auch wie 🙂 Erinnert mich ein wenig an die Fernsehserie Columbo! 😉 Kennt ihr die noch? Da war der Weg zur Aufklärung das Ziel und hier ist es ähnlich und doch anders…
Hier ist es nämlich so, dass alle Figuren, die in dieser Geschichte vorkommen, entweder die Aufgabe haben, den Mord gelungen zu vertuschen oder aufzuklären und gleichzeitig, und das ist der Kern der Sache, eigene Interessen über die der anderen zu stellen mit dem Punkt, dass man auch etwas Brisantes über die jeweils anderen weiß! Kommt ihr noch mit? 😉
Dieses Kammerspiel führt zu unheimlich interessanten Begegnungen und Dialogen, die vor Zynismus und Überheblichkeit nur so triefen 😉 Es gab so einige Stellen im Buch, an denen ich doch sehr schmunzeln musste!
Und obwohl natürlich die Charaktere im Buch überspitzt dargestellt werden, kann ich mir vorstellen, dass es im Vatikan und innerhalb des Klerus genau so zugeht! Zu oft hat man bereits durch die Medien von ungehörigem und nicht nachvollziehbaren Machtgehabe von Kirchenangehörigen und Klerikern in bedeutenden Positionen gelesen oder gehört! Es ist geradezu fantastisch, wie dem Kirchenstand der Spiegel vorgehalten wird! Diese Intrigen innerhalb der kirchlichen Mauern, dieses Ich-bin-mir-selbst-der-Nächste – richtig gut rübergebracht von Gerhard Weinreich! 🙂
Natürlich sind nicht alle so! Herje, das wäre ja furchtbar! Die meisten des göttlichen Bodenpersonals haben zum Glück wirklich die Gemeinde und deren Wohlergehen im Blick. Aber ab Bischoffsebene bis hin zum Vatikan, da steigt gewiss dem ein oder anderen das Geld, der Luxus, die Macht zu Kopf…
So auch Bischoff Ehrmann! Der im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht, um seine „Leichen im Keller“ zu vertuschen! 😉
Monsignore Ries jedoch ist anders.! Er ist kultiviert, zynisch, frei von Karriereambitionen und damit immun gegen die üblichen Druckmittel kirchlicher Hierarchien, mit denen man ihm beizukommen versucht. Ihm gegenüber stehen also der selbstgefällige Bischof Ehrmann, aber auch die lösungsorientiert denkende Justiziarin, eine hörige Architektin, ein windiger Staatsanwalt und ein Kardinal in Rom, der zwischen Prinzipientreue und institutioneller Schadensbegrenzung lavieren muss.
Gerhard Weinreichs Roman „Die üblichen Mauern“ ist mehr als ein Roman! Er ist ein scharfzüngiger Kirchenkrimi, der hinter die Fassaden kirchlicher Macht blickt und dabei mit Ironie bis hin zum Zynismus, psychologischem Feingefühl und einer klaren moralischen Haltung überzeugt.
Mir hat es sehr viel Freude bereitet, dieses sprachlich überaus gelungene Buch zu lesen 🙂 Die Figuren im Buch fand ich einfach nur zu köstlich 😉 Man fliegt zwar nicht durch die Seiten – das wäre auch zu schade -, aber so kommt man in den Genuss perfekt inszenierter Dialoge. Auch das Setting, welches sich auf wenige Orte beschränkt, sorgt für ein nervenaufreibendes Gefühl; man ahnt, es muss ein großer Knall kommen, eine Art Showdown.
Aber ob dem wirklich so ist, müsst ihr schon selbst lesen 😉
Von mir bekommt „Die üblichen Mauern“
4,5 / 5
!
Über den Autor:
„Gerhard Weinreich geboren 1963. Physiker. Mag Schubert und leidet mit dem BVB. Arbeitet in einem Wald. In einer Lungenklinik. Schreibt manchmal Romane.“
( Quelle Sisifo Verlag )
„Die üblichen Mauern“ von Gerhard Weinreich
Ein Roman erschienen bei Sisifo / Leipziger Literaturverlag am 05.01.2026
ISBN 978-3-86660-316-5
212 Seiten
Taschenbuch
Auch als Ebook erhältlich
„Die üblichen Mauern“ wurde mir vom Autor als Besprechungsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hatte jedoch keine Auswirkung auf meine Meinung und Bewertung!

