Rezension 474
„Hazel sagt Nein“ von Jessica Berger Gross
Worum geht es?

„In der Hoffnung auf ein ruhigeres Leben ziehen die Blums vom pulsierenden Brooklyn ins beschauliche Riverburg, wo Vater Gus nach herausfordernden Jahren endlich eine Professur ergattert hat. Doch der idyllische Schein trügt. Gleich an ihrem ersten Schultag wird die achtzehnjährige Hazel ins Büro des Direktors zitiert. Er verkündet ihr Unglaubliches: Jedes Jahr sucht er sich eine andere Schülerin aus der Abschlussklasse aus, mit der er eine sexuelle Beziehung eingeht. Dieses Jahr ist sie die Auserwählte. Instinktiv sagt Hazel Nein – und setzt damit eine Kette von Ereignissen in Gang, die das Leben ihrer Familie, aber auch die gesamte Stadtgesellschaft auf den Kopf stellen …“
( Quelle Klappentext zu „Hazel sagt Nein“ von Jessica Berger Gross )
Meine Meinung:
Ihr Lieben, ich schreibe diese Rezension, nachdem Collien Fernandes mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit gegangen ist. Und auch wenn wir es hier nicht mit Deepfakes zu tun haben, sind sich die Geschichten doch sehr ähnlich. Ich hoffe, dass beide geschilderten Erlebnisse, Mädchen und Frauen bestärken, den Mut zu haben, aufzustehen und anzuklagen! Ihr seid stark und ihr seid nicht die Opfer! Um Gisèle Pelicot zu zitieren: „Die Scham muss die Seite wechseln!“
Nun aber zum Buch von Jessica Berger Gross:
Bereits das erste Kapitel hat es in sich, denn es geht direkt mit Hazels erstem Schultag los. Sie wird ins Direktoren-Büro zitiert und erfährt, dass der Direktor sich jedes Jahr ein Mädchen aus der Abschlussklasse aussucht, mit welchem er eine sexuelle Beziehung eingeht.
Entgegen seiner Erwartung sagt Hazel Nein! Dieses Nein setzt eine Bewegung in Gange, die er, der Direktor, nicht erwartet hat und die sich nicht mehr aufhalten lässt…
Involviert in das Ganze sind neben Hazels Eltern auch ihr Bruder Wolf. Neben einer Email, die der Vater von Hazel an die Präsidentin des Colleges, an welcher er lehrt, schickt, nutzt Wolf eine neue App der Schule, mit welcher anonym Missbrauch und ähnliches angezeigt werden kann – beides ohne Hazels Einverständnis.
Natürlich sickert durch, dass etwas passiert sein muss, der Direktor dreht es aber so, als ob Hazel sich an IHN rangemacht hat, um eine Empfehlung für ihr Wunschcollege zu bekommen.
Von nun an beginnt die Hölle für Hazel. Wie soll sie beweisen, dass sie recht hat? Die Stadt ist sehr gespalten, viele sind gegen die Blums, die zugezogene, jüdische Familie aus New York. So kommt es dann auch zum Eklat und am Haus der Blums wird ein Hakenkreuz platziert…
Nachdem aber eine Redakteurin der New York Times auf Hazel Aufmerksam wird und ihr vorschlägt, einen Artikel über sie und ihr Erlebnis zu berichten, nutzt Hazel die Chance…
Ich muss jetzt aufpassen, nicht zu viel zu erzählen 😉 Es passiert halt so wahnsinnig viel und jeder aus der Familie ist betroffen! Es geht um Ausgrenzung, Ablehnung, Hass…Umso wichtiger, dass die Familie zusammenhält. Allerdings sind die Nerven bei allen bis zum Zerreißen gespannt und die Familie droht an den Geschehnissen zu zerbrechen.
Jessica Berger Gross hat eine fantastische Geschichte geschrieben, die leider nur zu realistisch ist! (s.o.) Auch ihre Charaktere hat sie sehr gut gezeichnet; ich bin zwar nicht mit allen warm geworden, aber das hindert mich nicht daran, dieses Buch großartig zu finden! 😊
Da ist zum einen die Mutter, mit der ich ein wenig hadere. Sie war mir einfach beim Lesen nicht sympathisch; wir wären im wahren Leben vermutlich keine Freunde geworden 😉 Den Vater hingegen mochte ich sehr. Ich spürte auch sehr stark seine innere Zerrissenheit, seine Familie schützen zu wollen, gleichzeitig seine Arbeit am College gut zu machen. Auch da hat er gleich zu Beginn mit einem Faux Pas zu kämpfen…
Wolf fand ich toll! Allerdings soll er 11 Jahre alt sein, aber so wie er redet, wie er agiert, kam er mir viel älter vor! Das passte nicht so recht, ich hätte ihn eher auf 14 geschätzt!
Hazel selbst fand ich authentisch, genau richtig! Und ich bin froh, dass sie auch noch an anderen Stellen (rechtzeitig) Nein gesagt hat. Und das sind zu den richtigen Zeitpunkten ihren Mund aufgemacht hat…
Eigentlich hätte sie ja lieber alles verschwiegen, aber durch die Mail ihres Vaters und die App-Meldung bleibt ihr nun nichts anderes mehr übrig zu reden…
Was Hazel, dieses 17-Jährige Mädchen hier durchmacht, gönnt man niemanden. Sie geht gestärkt aus der Sache hervor, wird von jetzt auf gleich erwachsen! Sie hat sich nicht in die Opferrolle begeben, sie hat es ausgesessen und gekämpft. Viele Mädchen und Frauen schaffen das nicht! Auch, weil sie niemanden an ihrer Seite haben, der sie unterstützt…
Mich hat dieses Buch sehr beschäftigt und mitgenommen. Es war spannend von vorne bis hinten und es war toll, durch die verschiedenen Erzählperspektiven, einen Rundumblick der Geschichte zu erhalten. Mit dem Ende gehe ich auch d’accord. Ich finde es gut, dass Hazel diese Entscheidung getroffen hat! 😊
Es ist schlimm, dass Mädchen und Frauen solche Dinge, solche Fehlverhalten toxischer Männer erfahren und erleiden müssen. Daher ist es umso wichtiger, dass solche Bücher wie „Hazel sagt Nein“ geschrieben und gelesen werden, wenngleich es besser wäre, es wäre gar nicht erst notwendig!
Hinweisen möchte ich an dieser Stelle, selbst wenn es sich um einen anderen Verlag handelt, auf das Buch von Gisèle Pelicot „Die Scham muss die Seite wechseln“. Ach sehr lesenswert, sehr grausam und sehr wichtig!
Also, „Hazel sagt Nein“ kann ich unbedingt empfehlen! 😊Es ist toll geschrieben, es liest sich flüssig und ist sehr kurzweilig – trotz des heftigen Themas!
Von mir gibt es daher
5 / 5
!!!
Über die Autorin:

„Jessica Berger Gross stammt ursprünglich aus New York, lebt aber inzwischen mit ihrem Mann und ihrem Sohn im Teenageralter in Maine. In den USA ist sie mit zwei Memoirs bekannt geworden. Die Essays der Vassar-Absolventin sind im NEW YORK TIMES MAGAZINE, THE CUT, LONGREADS und vielen andere Publikationen erschienen. HAZEL SAGT NEIN ist ihr erster Roman.
Jessica schwimmt gern in Seen, Seerosenteichen und im Meer, sucht nach Secondhand-Kleidung und Flohmärkten, wandert und fährt Langlaufski, praktiziert Iyengar-Yoga, sieht entweder sehr gutes oder sehr schlechtes Fernsehen, liest viele Bücher, isst die beste Pizza und trinkt frischen Grapefruitsaft.“
( Quelle bastei-luebbe.de )
Über die Übersetzerin:
( Quelle: Verlag / vlb )
„Hazel sagt Nein“ von Jessica Berger Gross
Ein Gegenwartsroman erschienen bei Bastei Lübbe am 02.02.2026
ISBN 978-3757701963
384 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Auch als Ebook und Hörbuch erhältlich

