Rezension 479
„Imitathyos: Das unendliche Alphabet“ von Matthias A. K. Zimmermann
Worum geht es?

„Buchstaben, die Bausteine der Sprache, werden in diesem Roman zu unberechenbaren Elementen, die Gefahren und Geheimnisse heraufbeschwören. Mina ist eine angehende Schriftstellerin aus Athen und gerät mit ihrer Schwester und deren Freund auf die künstlich geschaffene Insel Imitathyos – ein Utopia für exklusive Touristen. Doch ein unerwarteter Vorfall löst eine Kette bizarrer Ereignisse aus, und eine Rückkehr scheint unmöglich. In den Wirren dieser futuristischen Welt zunehmend verloren, müssen Mina und ihre Mitreisenden die rätselhafte Realität entschlüsseln, wenn sie von hier fortkommen wollen, bevor eine drohende Katastrophe sie für immer auf der Insel festhält. In dieser Odyssee entfaltet sich die Kraft der Buchstaben und zeigt, wie Worte die Wirklichkeit formen.“
( Quelle Klappentext zu „Imitathyos: Das unendliche Alphabet“ von Matthias A. K. Zimmermann )
Meine Meinung:
Im Zentrum der Erzählung steht Mina, eine angehende Schriftstellerin aus Athen, die mit ihrer Schwester Xenia, einer Pianistin, und deren Freund Dionys auf die künstlich geschaffene Insel Imitathyos reist, um dort ihren Bruder Tomaso zu treffen. Was erst nach einem tollen und einmaligen Urlaub klingt, entwickelt sich dann aber mehr und mehr zum Albtraum, weg vom Wunder der Technik und Innovation hin zu einer überaus beängstigenden Realität und Zukunft…
Tomaso versetzt seine Geschwister immer wieder, sodass sich die Geschwister bald ernsthaft Sorgen machen; sie ahnen, das etwas nicht mit rechten Dingen zugeht! Sie gehen diesem Gefühl nach, kommen aber zu keinem Ergebnis. Eine Reihe von – ich nenne es mal Missgeschicke – führt dazu, dass die Drei die Insel nicht mehr verlassen dürfen. Abreise in naher Zukunft ungewiss. So beginnen die Drei sich Jobs zu suchen, um sich neue Rückreisetickets kaufen zu können. Und was sie dann erleben, übersteigt jede Fantasie 😉 …
Und genau das macht den Reiz des Buches aus! Der Roman wirkt wie ein Wimmelbild aus Ideen, Bildern und Sprachspielen, von überraschenden Wendungen, beängstigenden Konfrontationen, seltsamen Figuren und einem Stoff, der die Realität imitiert…
Wer klare Strukturen, einen logischen Plot und einfaches Weglesen sucht, ist hier vermutlich falsch. 😉 Wer aber Lust auf etwas Eigenwilliges, Fantastisches, Spannendes und raffinierte Sprachspielerei hat, dürfte von diesem Buch begeistert sein 😊
Es ist faszinierend, wie der Autor mit dem Thema Sprache umgeht. Hier sind Buchstaben nicht einfach kleine Zeichen auf Papier, sondern Bausteine einer Realität, die sich verändern, verschieben und sogar bedrohlich werden kann. Das gibt dem Buch etwas Spielerisches und zugleich aber auch Unheimliches. Was mir sehr gefallen hat, ist, dass der erste Teil des Buches (es gibt 4 insgesamt) wie ein Sonett aufgebaut ist. Das heißt, das Wort mit dem ein Kapitel endet, ist das erste Wort im neuen Kapitel! So etwas liebe ich 😊
Was neben den Wortspielereien auffällt, ist die Stimmung, die dadurch erzeugt wird. Ich hatte beim Lesen die ganze Zeit ein eigenartiges, fast beklemmendes Gefühl in der Brust. Die künstliche Insel, die futuristische Kulisse und die bizarren Ereignisse erzeugen ein Gefühl zwischen Utopie und Dystopie; es ist, als ob man in einem Traum gefangen ist, der einem zwar gefällt, aber aus dem man doch gerne erwachen würde 😉
„Imitathyos: Das unendliche Alphabet“ ist nicht nur eine tolle Unterhaltungslektüre, sondern regt durchaus zum Nachdenken an. Nachdenken über Sprache, aber auch Nachdenken über die Zukunft, die schon heute immer mehr Realität ist!
Das Buch ist also eine Reise in eine geheimnisvolle, sprachverliebte Welt, in der Buchstaben und Worte nicht bloß Mittel zum Erzählen sind, sondern selbst eine Art Macht entfalten. Die Charaktere sind real und doch nur Fiktion, es liegt in der Hand des Erzählenden, was als Nächstes geschieht und doch hat jeder sein Schicksal selbst in der Hand…
Es ist ein Buch für alle, die Literatur mögen, die anders ist, sich von anderen Texten abhebt und lange im Kopf bleit. Auch wenn es nicht immer leicht zu lesen ist und ich für die 300 Seiten schon etwas Zeit brauchte, ist es eine lesenswerte Geschichte, die ich gerne empfehle!
4 / 5
!
Über den Autor:
„Matthias Alexander Kristian Zimmermann wurde 1981 in Basel (Schweiz) geboren und ist in ländlicher Umgebung im Kanton Aargau aufgewachsen. Er studierte musikalische Komposition, Kunst & Vermittlung, Game Design, Art Education und Pädagogik. Zimmermann ist Schriftsteller, Maler und Medienkünstler. Seine Bilder, die er als »Modellwelten« bezeichnet, reflektieren und erforschen die Kunst-, Design- und Mediengeschichte. Sein Werk wurde umfassend rezensiert und befindet sich in Sammlungen diverser Museen und Kunstarchive.
Im Hirmer Verlag ist das Kunst- und Sachbuch »Digitale Moderne. Die Modellwelten von Matthias Zimmermann« über ihn erschienen. Im Kulturverlag Kadmos hat er seinen Debütroman »KRYONIUM. Die Experimente der Erinnerung« und »INTOXIKATION. Chemie der Illusionen« publiziert. Zimmermanns Romanwelten haben sich in einem langjährigen Entwicklungsprozess aus den Konzepten seiner Kunstwerke herausgebildet. Seine Bücher erscheinen sowohl in Verlagen als auch unter seiner eigenen Edition MODELLWELTEN.“
( Quelle BoD )
„Imitathyos: Das unendliche Alphabet“ von Matthias A. K. Zimmermann
Ein Roman erschienen bei Books on Demand
ISBN 978-3837024449
300 Seiten
Hardcover
Auch als Ebook erhältlich

