Rezension 472
„Sonnen und Kometen“ von Max Schatz
Worum geht es?

„Sie war wie eine Sonne, strahlend und lebensfroh, von Anbeginn ihres Lebens an einem zentralen, festen, begehrten Ort. Und er – ewig am Rand. Nur ein kleiner Komet, zur ewigen Wanderung durch die Finsternis des Alls, auf der Suche nach einer Heimat verdammt …“ Die in diesem Band gesammelten Erzählungen und Kurzgeschichten geben Einblicke sowohl in das moderne Leben von Menschen mit russlanddeutschem Hintergrund als auch in die tragische Vergangenheit der Deutschen aus den Ländern der ehemaligen UdSSR. Vor allem sind es aber Geschichten über Gewinner und Verlierer, ob in Liebesbeziehungen oder in der Arbeitswelt, ebenso voller Romantik wie Melancholie, aber auch Satire.
Meine Meinung:
„Sonnen und Kometen“ ist ein Erzählband mit 10 Kurzgeschichten und kurzen Erzählungen, der auf knapp 200 Seiten von russlanddeutschen Menschen erzählt, die innerlich zerrissen sind, nicht genau wissen, wo sie hingehören, mit der deutschrussischen Geschichte hadern oder diese nur aus Erzählungen der Eltern und Großeltern kennen!
Max Schatz hat sehr unterschiedliche Texte verfasst. Wie bereits im Klappentext zu lesen, beziehen sich diese auf Gewinner und Verlierer, auf das private Leben und die Arbeitswelt. Es geht um Liebe und Hoffnung, Trauer und Zuversicht, Humor und Satire.
Lesen lassen sich die Texte ganz gut; hier und da hatte ich meine Schwierigkeiten, was aber daran lag, dass Max Schatz so prosaisch schreibt, so stark und bildhaft, dass ich oft nicht verstand, was er denn meint 😉 Aber beim zweiten Lesen habe auch ich es dann verstanden! 😊
Mehrere Stimmen erzählen ihre Geschichte, so erhält der Leser einen guten Einblick in die Gedankenwelt russischstämmiger Deutscher. Der Autor bezieht sich hier auf die Vergangenheit, aber auch die Gegenwart und Zukunft.
Besonders gut gefallen haben mir „Katzenjammer“ und „2077“:
In „Katzenjammer“ dreht sich alles um eine Maus! 😊 Im weitesten Sinne! Die Geschichte spielt 1941 in einem deutschen Dorf, 120km östlich von Saratow, in welchem viele Deutschrussen lebten. Als am 28.08.1941 der Befehl zur „Umsiedlung der in Rayons der Wolgaregion lebenden Deutschen“ erfolgt, wird Amelias Familie kurz darauf auseinandergerissen. Nur sie bleibt im Haus zurück, weil die Mutter nur den 3-Jährigen Bruder mitnehmen darf. So steht es „im Papier“. Auch der Vater wird abgeführt. Amelia ist 6 Jahre alt und von nun an auf sich alleine gestellt. Nein, nicht ganz alleine, denn in ihrem Haus wohnt eine Maus, die ihr Trost ist und Familie und Freund gleichermaßen wird… Diese Geschichte hat mich unheimlich berührt. Und der Gedanke, dass sie tatsächlich wahr sein könnte die Tränen in die Augen getrieben! ☹
Die andere Geschichte, „2077“ steht in völligem Kontrast zu „Katzenjammer“ . Hat mich aber nicht weniger beschäftigt! Im Jahr 2077 ist alles digitalisiert und das Leben läuft weitestgehend über Apps. Was aber nicht unbedingt das Leben erleichtert, manchmal wären Abläufe mit Stift und Papier sinnvoller und schneller. Es gibt die kuriosesten Dinge wie eine Gestanksteuer, statt richtige Vornamen gibt es nur Kürzel mit Zahlen! Pornografie gibt es an jeder Ecke und Emotionen und Glück haben keinen besonderen Stellenwert. An der Ampel wartet man 15 Minuten und es ist völlig normal mit dem Flieger zur Praktikumsstelle nach Kasachstan zu fliegen! …Eine Welt, die sehr verstörend ist und wenig Lust auf die Zukunft macht!…
Ich denke, durch diese zwei Beispiele erhält man einen guten Eindruck von diesem Buch.
Auch der Titel des Buches, „Sonnen und Kometen“ passt gut zu den Geschichten bzw. den Charakteren, deren Geschichten wir hier lesen dürfen. Die einen stehen gerne im Mittelpunkt, alles dreht sich nur um sie; die „Kometen“ hingegen bewegen sich gerne am Rand, ziehen aber oft am Zentrum vorbei…
Auch wenn meine Rezension dieses Mal nicht besonders üppig ausgefallen ist 😉, habe ich das Wichtigste gesagt, alles andere müsst ihr selbst beim Lesen herausfinden 😊 Ich möchte ja auch nicht spoilern, was bei 10 Geschichten schnell passieren kann, wenn ich auf alle eingehen würde 😉
„Sonnen und Kometen“ hat mich jedenfalls recht gut unterhalten; man muss es ja auch nicht in einem Stück lesen, sondern kann es auch mal beiseitelegen und später weiterlesen. So habe ich auch nicht chronologisch gelesen, sondern so, wie mir gerade war, ob ich Lust auf eine längere Geschichte hatte oder eher auf eine kürzere 😊
Von mir bekommt dieser Erzählband daher
4 / 5
und eine klare Leseempfehlung! 🙂
Über den Autor?
„Max Schatz, Geb. 1981 in Tscheljabinsk (Russland), seit 1992 in Deutschland, ist im zweiten Beruf Übersetzer für Russisch. Er schreibt zweisprachig Prosa und Lyrik. Veröffentlichungen in Anthologien, Almanachen und Literaturzeitschriften Deutschlands, Österreichs und Russlands. Erschienene Bücher (Stand 2025): in Russisch: »Ostrov bandy pyati« (»Die Insel der Fünfer-Bande«, Jugend-Fantasyroman), Verlag »Soyuz pisateley«, Russland, 2019, ISBN: 978-5-00143-054-4; in Deutsch: »Nihilschwimmer« (Lyrikband mit Sonettenkränzen), ostbooks Verlag, 2020, ISBN: 978-3-947270-09-5; »111 Schachprobleme« (Schachbuch), Books on Demand, 2024.“
( Quelle bkdr.de )
„Sonne und Kometen“ von Max Schatz
Ein Erzählband erschienen am 01.09.2025 beim BKDR Verlag
978-3948589547
220 Seiten
Hardcover

