„Solange ein Streichholz brennt“

            Rezension 476

„Solange ein Streichholz brennt“ von Christian Huber

Warum geht es:

„Zwei Welten. Ein Moment. Alles ändert sich.

Bohm lebt seit fünf Jahren auf der Straße. Wie er aus seinem früheren Leben gerutscht ist, darüber schweigt er. Er besitzt so gut wie nichts. Einen alten Rucksack. Geschnitzte Holzmäuse. Einen Brief, den er nicht öffnen will. Mit seinem Hund Fox kämpft er sich durch die Tage und Nächte.

Hat jemand eine Chance auf die Liebe, der keine Chance im Leben hat?

Die junge, einst aufstrebende Fernsehjournalistin Alina steckt fest. Im Job und in der Angst zu scheitern. Ihre letzte Chance auf eine TV-Karriere scheint eine Reportage über das Leben auf der Straße zu sein.

»Der Wind fegte über den Markt. Die Plane des Pavillons nebenan, an dem jemand Kerzen verkaufte, blähte sich auf, dass das Gestänge der Konstruktion schwankte. Unterdessen war eine junge Frau herangetreten. Braune Locken, ein teuer aussehender Mantel. Augenringe, die durch ihr Make-up schimmerten. Sie beugte sich vor, griff sich eine von Bohms Holzmäusen und legte sie wieder zurück. Dabei streifte ihr Blick den von Bohm für den Bruchteil einer Sekunde.«

Plötzlich ist da etwas zwischen ihnen. Etwas, das nicht sein kann. Und ein Geheimnis, das ans Licht drängt.“

(Quelle Klappentext zu „Solange ein Streichholz brennt“ )

Meine Meinung:

Eigentlich hätte es im März eine Online-Lesung vom Deutschen Taschenbuch Verlag mit Christian Huber geben sollen. Da dieser aber erkrankte, fiel die Lesung aus. Ein wenig traurig war ich schon, aber ich hatte ja noch die Lesung der lit.cologne 😍 Und der Verlag war so lieb und hat mir vorher bereits das Buch „Solange ein Streichholz brennt“ zugesendet, Danke dafür 🥰

Als ich die erste Seite der Geschichte las, wurde ich doch sehr überrascht: Spielt die Geschichte um den obdachlosen Bohm und der Redakteurin Alina doch mitten in Köln 🤩 So etwas liebe ich ja 🤗 Aber nicht nur deshalb hatte ich das Buch innerhalb von 2 Tagen durch 😉, sondern auch, weil die Geschichte einfach so unfassbar schön, traurig, so schöntraurig ist!! ☺️

Aber von vorne:

Alinas letzte Chance sich beim TV-Sender RTI zu beweisen, ist eine Zusammenarbeit mit ihrem Kollegen Jakob, mit dem sie sich ziemlich gut versteht;-) Dieser bekommt eine neue Sendung, wo er sich mit einer prominenten Person über ein bestimmtes geselschaftlich relevantes Thema unterhält. Eine Mischung also aus Magazin und Talkrunde. Und sie, Alina, soll die Außenreportage, dazu übernehmen; quasi auf der Schattenseite des Lebens recherchieren. Das Motto der ersten Sendung liefert Alina prompt: „Wie ein Leben entgleitet“.

So macht sie sich auf die Suche nach einem Obdachlosen, der bereit ist, sich auf sie einzulassen und gerät an Bohm. Bohm lebt seit 5 Jahren auf der Straße und hält sich mit dem Verkauf von selbst geschnitzten Holzmäusen über Wasser. Als Alina ihm, zugegeben nicht sehr feinfühlig, eine Zusammenarbeit plus Vergütung anbietet, schlägt Bohm dieses Angebot aus (die Visitenkarte wirft er jedoch nicht weg). Als sein ihm zugelaufener Hund aber lebensgefährlich verletzt wird und nur eine teure OP sein Leben retten kann, nimmt er Alinas Angebot doch noch an…

Fortan begleitet Alina Bohm (dessen Vornamen wir im Laufe der Geschichte noch erfahren) und die beiden lernen sich nicht nur besser kennen, sondern nähern sich auch an. 🙂 Beide haben jedoch gelernt, ihr Innerstes nicht nach außen zu kehren, zu groß ist die Gefahr verletzt zu werden oder andere zu enttäuschen.

Dennoch spürt man von Anfang an feine Schwingungen zwischen den beiden; Gefühle, die weder der eine noch der andere wahrhaben und zulassen will.

Was man aber auch spürt, ist die Arroganz Jakobs sowieso seine Ablehnung gegenüber Menschen unterhalb seines Standes, sowie Frauen gegenüber. Sie entwickelt sich allmählich im Laufe des Buches, dafür aber umso unangenehmer. Und man fragt sich am Ende, wessen Leben eigentlich entgleitet?…

„Solange ein Streichholz brennt“ lebt von seinen unglaublich authentischen und gut recherchierten und beschriebenen Momenten. Während der Lesung im Brunosaal / Lit.Cologne, übrigens mal wieder fantastisch moderiert von Mona Ameziane 🙂 , berichtet Christian Huber, wie es zu diesem Buch, dieser in erster Linie Liebesgeschichte, gekommen ist. Dass er auf den Ringen in Köln tatsächlich einen Obdachlosen getroffen hat, der Holzmäuse verkauft hat. Dass er eine Sendung gesehen hat, in welcher eine Reporterin einen Obdachlosen einen Tag lang begleitet. Dass ihm seine ehemalige Nachbarin voller Stolz erzählte, wie sie den Schlafsack eines im Hinterhof übernachtenden Obdachlosen in den Müll warf, „um ihm eine Lektion zu erteilen“. All das plus Christian Hubers Selbstzweifel, weswegen er auch in Therapie war, sind Grundlage für dieses wundervolle Buch 🙂

Jede Figur ist authentisch gezeichnet, ehrlich und nahbar. Auch die Charaktere, die nur am Rande vorkommen, für das Buch dennoch von Bedeutung sind, wie eben Jakob, die Sozialarbeiterin Kerstin oder auch Saskia…

Dieses Buch ist nasskalt und heimelig warm zugleich. Es ist wie ein Nach-Hause -Kommen, obwohl man gar nicht weg war. Ein Buch, das zeigt, wie sehr wir uns unseren Ängsten beugen, uns von außen beeinflussen lassen, vergessen, wer wir sind und wer wir sein wollen!…

Es zeigt aber auch, dass es sich lohnen kann, sich den eigenen Dämonen zu stellen, an den richtigen Stellen Nein zu sagen und auch Ja! 🙂 Dass es sich lohnt, das Leben im Licht zu betrachten und bei Dunkelheit ein Streichholz zu entzünden…

Feuer kann grausam sein, zerstören;  Feuer, und sei die Flamme noch so klein, kann aber auch jede dunkelste Kammer erhellen, jedes Herz erleuchten…

Christian Huber hat mit seinem Roman „Solange ein Streichholz brennt“ mein bisheriges Jahreshighlight geschrieben 🙂 Ein Buch, dass so sehr berührt und mich am Ende auch zum Weinen gebracht hat – vor Rührung, aber auch, weil ich den Schmerz der Charaktere so sehr fühlen konnte!…

Ich habe noch so viel zu diesem Buch, dieser Geschichte zu sagen! 😉 Aber ich möchte euch ja nicht um euer Lesevergnügen bringen 😉

Daher höre ich jetzt auf und vergebe

5 / 5 Rezension und wünsche euch viel Freude beim Lesen, denn lesen sollte ihr dieses Buch unbedingt; auch als Nicht-Kölner 😉

Jetzt Verfügbarkeit prüfen*

Anbei noch ein paar Eindrücke von der Lesung (22.03.2026 im Brunosaal, Köln-Klettenberg)

 

 

Gut, die Bilder sind definitiv kein Highlight 😉 , aber aus dem Moment heraus und daher überaus authentisch! Danke an Mareike, die die Bilder von mir und Christian gemacht hat! 🙂

Über den Autor:

„Christian Huber, geboren in Regensburg, schreibt für Print, Online, Fernsehen und die Bühne. Mit dem Team von Jan Böhmermanns »Neo Magazin Royale« wurde er u. a. für die Goldene Kamera und den Deutschen Comedypreis nominiert. Sein Podcast »Gefühlte Fakten« zählt zu den beliebtesten Deutschlands. Sein Roman »Man vergisst nicht, wie man schwimmt« eroberte sofort die Bestsellerlisten. Der Autor lebt in Köln.“

(Quelle dtv)

„Solange ein Streichholz brennt“ von Christian Huber

Ein Roman erschienen bei dtv am 26.03.2026

ISBN 978-3423285407

352 Seiten

Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag

Auch als Ebook und Hörbuch erhältlich

www.dtv.de

„Solange ein Streichholz brennt“ wurde mir vom Verlag als Besprechungsexemplar kostenlos zugesendet. Dies hatte jedoch keine Auswirkung auf meine Meinung und Bewertung!
Ticket für LEsung selbst gekauft.

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