Rezension 470
„Was dicke Bücher und grüne Bananen mit dem Tod zu tun haben … und andere Dinge, die ich über Leben und Sterben gelernt habe“ von Simon Boas
Aus dem Englischen von ANNIKA TSCHÖPE
Worum geht es?

Mit 46 Jahren wird bei Simon Boas unheilbarer Krebs diagnostiziert – er war zu spät erkannt worden und hatte sich in seinem Körper ausgebreitet. Aber er ist entschlossen, so zu sterben, wie er gelebt hat – optimistisch, mit dem Glauben an das Gute in den Menschen und die Kraft der Freundlichkeit, mit Blick auf das, was wirklich wichtig ist im Leben.
In „Was dicke Bücher und grüne Bananen mit dem Tod zu tun haben“ versammelt er alles, was ihm ein so tiefes Gefühl von innerem Frieden und Positivität vermittelt hat. Mit viel Humor und bewundernswertem Gleichmut zeigt er, warum es eigentlich gar nicht so schlimm ist, mit 46 Jahren zu sterben. Deshalb geht es in seinem Buch nicht nur um das gute Sterben, vielmehr ist es eine Hymne an das Leben. Damit hilft er uns allen, uns auf die wirklich wichtigen Dinge zu besinnen und dem Tod den nötigen Platz im Leben einzuräumen.“
( Quelle Klappentext zu „Was dicke Bücher und grüne Bananen mit dem Tod zu tun haben“ von Simon Boas )
Meine Meinung:
Im Zentrum des Buches steht Simon Boas, bei dem mit Mitte vierzig Speiseröhrenkrebs diagnostiziert wird. In seinem Buch geht es aber nicht um die Krankheit an sich, es ist auch keine klassische Autobiografie, sondern eher eine lose Erzählung von Episoden, in denen Simon Boas erzählt, was er übers Leben und Sterben in seiner Situation denkt und gelernt hat.
Er greift Situationen aus seinem Alltag auf, aber vor allem auch Erinnerungen aus seinem früheren Leben. Es geht um Familie, Arbeit und Glauben an das Gute im Menschen.
Das Buch ist in thematische Schwerpunkte unterteilt wie Gott und Religion, Perspektive oder Der Kummer der anderen. Dadurch lässt sich das Buch gut lesen.
Aber natürlich geht es auch darum, wie man mit der Diagnose „unheilbar“ so umgeht (auch aus Sicht der Zugehörigen) und dass das eigene Leben nicht (nur) auf die Rolle des Krebspatienten fokussiert wird. Simon Boas wollte „so sterben, wie er gelebt hat“: optimistisch, fröhlich, anderen gegenüber immer positiv zugewandt… Immer wieder betont er, dass es ihm wichtiger ist, WIE er die verbleibende Zeit füllt, als darüber zu verzweifeln sein Ende irgendwie zu verlänger. Auch sollte man ihn nicht wie einen Exoten behandeln, aber auch nicht fragen, wie es ihm geht! Somit gibt er an alle, die auch von Krebs betroffen sind oder jemanden kennen und nicht wissen, wie sie mit ihm, der Krankheit umzugehen haben, hilfreiche Tipps! ( Alles ohne Gewähr!)
Ich glaube, wenn mein Arzt so spät erst den Krebs erkannt hätte, obwohl ich immer wieder über Beschwerden geklagt habe – ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte. Simon Boas allerdings hegt keinen Groll. Ja, der Krebs wurde zu spät entdeckt und hat es sich in seinem Körper bequem gemacht, Heilung ausgeschlossen. Er versucht die Verzweiflung nicht Oberhand gewinnen zu lassen.
Simon Boas stellt sich jetzt vielmehr die Frage, was im Leben wirklich wichtig ist: Zeit mit seiner Frau und einem leckeren Muscadet, Freunde und Familie! Eigentlich ganz normale Dinge, die man aber im alltäglichen Trubel oft nicht zu schätzen weiß, die für ihn dann unbezahlbar wurden.
Auch ist ihm wichtig, dem Tod und dem Sterben bewusst einen Platz im Leben einzuräumen; als etwas, worüber man sprechen darf und soll, gerade weil es Angst macht.
Simon Boas hat mit seinem Vermächtnis – was es ja letztendlich ist – ein bittersüßes, von Humor durchzogenes Buch geschrieben. Wenn Boas etwa mit Formulierungen wie „Sterben für Anfänger“ spielt, nimmt er sich und seine Situation ein Stück weit selbst aufs Korn und nimmt damit die Schwere, die auf dem Thema liegt. Mich hat das Buch dennoch sehr berührt, besonders die Trauerrede seines besten Freundes James, den der Verlag am Ende abgedruckt hat; spätestens da braucht ihr Taschentücher!!
„Was dicke Bücher und grüne Bananen mit dem Tod zu tun haben“ ist kein Leitfaden für Erkrankte oder Betroffene, aber es zeigt einen Umgang mit dem Sterben auf, der hilfreich sein kann, für den ein oder anderen. Im Original heißt das Buch „A Beginner´s Guide to Dying“, aber eigentlich ist es mehr ein Buch an das Leben!
Übrigens, der Titel spielt darauf an, dass derjenige „keine grünen Bananen mehr kaufen“ soll, der nicht mehr lange zu leben hat – ebenso macht es dann auch keinen Sinn mehr, “dicke Bücher“ anzufangen 😉 Aber das habt ihr euch wahrscheinlich schon gedacht 😉
Von mir bekommt dieses Buch
4,5 / 5
!
Eines noch 🙂 : Ihr findet am Ende des Buches nicht nur die Trauerrede von Simons bestem Freund, sondern auch Leseempfehlungen des Autors und eine Chronologie seines Lebens, die sich wahnsinnig interessant liest! 😊 Und da mich das Buch bzw. Simon Boas nicht losgelassen hat, habe ich ein wenig im Internet recherchiert und bin auf ein Video gestoßen, ein Interview, welches Simons Frau Aurélie nach seinem Tod gegeben hat. Hier könnt ihr es euch anschauen und nachlesen!
Über den Autor:
„Simon Boas wurde am 06.07. 1977 geboren und verbrachte seine Kindheit in London und Winchester. Nachdem er schon im Alter von 16 Jahren das erste Mal an einem Hilfskonvoi nach Bosnien teilnahm, arbeitete er später viele Jahre für Organisationen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit und für die UN, unter anderem in Afrika, Vietnam, Ägypten, der Türkei, Nepal, Indien und den Palästinensischen Gebieten sowie drei Jahre als Leiter des UN-Büros im Gazastreifen. Die letzten acht Jahre verbrachte er zusammen mit seiner Frau Aurélie und dem französischen Schäferhund Pippin auf der englischen Insel Jersey, wo er das lokale Büro für Überseehilfe leitete.
Im Alter von 46 Jahren wurde fortgeschrittener Kehlkopfkrebs bei ihm diagnostiziert. Danach blieb ihm noch ein Jahr, das er zwar mit dem Tod vor Augen, doch genauso glücklich wie die Jahre zuvor verbrachte. Darüber schrieb er einen Artikel in der Lokalzeitung, der viral ging. Daraus entstand sein Buch, das gleich nach Veröffentlichung zum Sunday Times Bestseller wurde. Simon Boas starb am 15.07. 2024 kurz nach seinem 47. Geburtstag.“
( Quelle penguin.de )
„Was dicke Bücher und grüne Bananen mit dem Tod zu tun haben“ von Simon Boas
Eine Erzählung erscjienen im Mosaik Verlag / Penguin Randomhouse am 10.09.2025
ISBN 978-3442394555
176 Seiten
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
Auch als Ebook erhältlich

