Rezension 480
„Widdersehen“ von Leonie Swann
Worum geht es?

„Als ihre Schäferin Rebecca urplötzlich die Europareise abbricht und die Herde rund um Miss Maple zurück in irische Gefilde führt, sind die Schafe zunächst optimistisch wie Frühlingslämmer. Denn wo könnte es schöner sein als auf der Heimatweide? Auch der jüngste Zuwachs ist gespannt – Madouc, offiziell Ziege, inoffiziell »Schaf auf Probe«, hofft auf viele neue Einblicke in die geheimnisvolle Welt der Schafe. Kaum dort angekommen, ist das Bedauern jedoch groß: Die geliebte Weide ist gar nicht mehr so schön, wie sie es in der Erinnerung war, und obendrein haben drei fremde Schafe mit seltsamen Namen alle Lieblingskräuter weggeknabbert. Als wäre das nicht schon genug, ist Rebecca plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Zurückgeblieben ist nur ein einzelner Finger (kein guter Anfang) und ein geheimnisvoller Brief, aus dem sich die Schafe mangels Vorlesemenschen keinen Reim machen können. Die Herde befürchtet das Schlimmste. Es ist völlig klar: Sie müssen ihre verschollene Hirtin retten. Unversehens finden sie sich in einem Familiendrama wieder, und einmal mehr zeigt sich: Alles ist zu meistern – man braucht nur genügend Wollensstärke!“
( Quelle Klappentexr zu „Widdersehen“ von Leonie Swann )
Meine Meinung:
Es ist schon etliche Jahre her, als ich das erste Mal „Glennkill“ gelesen und gehört habe. Ich glaube, es war 2007 oder 2008! Aber ich weiß noch, dass mir das Buch sehr gut gefallen hat, ebenso das Hörbuch, gelesen von Andrea Sawatzki. Beides habe ich noch im Regeal stehen 🙂
Der zweite Teil, „Garou“, ist dann irgendwie an mir vorbeigegangen…
Dafür habe ich mich umso mehr gefreut, dass es jetzt einen neuen Fall mit der ermittelnden Schafsherde gibt 🙂
Aus Zeitnot heraus, habe ich neben dem Buch auch das Hörbuch gehört (gekauft über Thalia). Dieses Mal liest nicht Andrea Sawatzki, sondern Maren Kroymann. Aber sie liest ebenso gut und gibt jeder Figur seine ganz eigene Stimme 🙂
Also, wir befinden uns nach der Europareise der Schafe und Rebecca wieder in Glennkill und es passieren folgende Dinge kurz hintereinander:
Fremde Schafe grasen auf Georges Place, die Weide ist jetzt eingezäunt, Rebecca verschwindet plötzlich, der Metzger, dem die neuen Schafe Eins, Zwei und Drei gehören, hat nun die Funktion des Schäfers inne. Und alles hat irgendwie zu tun mit dem abgetrennten Finger und dem Brief, den niemand den Schafen vorliest…
So kommt es, dass die Schafe beschließen, sich auf die Suche nach Rebecca zu machen. Ihrer eigenen, und man muss sagen originellen Logik nachgehend, kommen sie der Lösung des Falles, denn zum abgetrennten Finger gehört ja auch ein Mensch, immer näher, und machen dabei erstaunliche Entdeckungen unnd Bekanntschaften.
Der Leser begleitet die Schafe aber nicht nur bei diesem Krimäh, also bei diesem kriminalistischen Fall. 😉 Nein! Er erlebt schafige Philosophie auf höchstem Niveau, ist Zeuge von Ziege Madoucs Wandlung in ein Schaf, erfährt, dass nicht nur Miss Maple eine gute Kombinationsgabe besitzt, und das Ritchfield seinen verschollenen Bruder wiederfindet…
Von Anfang an wurde ich sehr gut unterhalten und obwohl meine letzte Reise nach Glenkil schon eine Weile her ist, war ich schnell wieder da, in Irland und inmitten der Herde dieser wunderbaren Schafe 🙂
Auch dieses Mal nehmen die Schafe ihr Schicksal selbst in die Hand. Mit ihrer ganz eigenen Art kommen sie des Rätsels Lösung allmählich auf die Spur. Dabei sind sie nicht nur außerordentlich clever und mutig, sondern arbeiten Hand in Hand, sind füreinander da…
Und das merkt man auch im Ton. Das Buch ist warmherzig, klug und voller Spott, ohne je bösartig zu werden. Selbst wenn die Menschen wieder einmal alles komplizierter machen, als nötig, ist da ein feiner spöttischer Humor, der uns Menschen mehr als einmal den Spiegel vorhält.
Die Dialoge und Beobachtungen der Schafe sorgen dafür, dass man miträtselt, schmunzelt und öfters mal anerkennend nickt! 🙂
Auch deshalb funktioniert das Ganze eben auch als Krimi so gut, weil hinter dem Spaß ein echter Spannungsbogen steckt. Die Handlung führt in ein Familiendrama, das sich nicht sofort entwirren lässt, und genau dadurch bleibt das Lesen spannend. Man kommt aber flott durch die Seiten bzw. beim Hören merkt man gar nicht , wie die Zeit vergeht.
Man merkt dem Roman an, dass Leonie Swann ihre Herde und Figuren sehr genau kennt und die Eigenheiten ihrer Schafe mit liebevoller Konsequenz ausspielt.
Wer blutiges Drama oder schwierige Ermittler à la Wallander erwartet, ist hier falsch. Wer aber Lust auf einen Krimi mit Humor, Fantasie und tollen tierischen Charakteren hat, der bekommt mit „Widdersehen“ ein wunderbares Buch geliefert, dessen Titel man am Ende des Romans auch zweideutig verstehen kann…
Und das Buch hat noch eine Besonderheit: Auf jeder rechten Seite befindet sich unten in der Ecke ein Bild und blättert man jetzt einmal schnell mit dem Daumen durch, erhält man ein bewegtes Bild, ein sogenanntes Daumenkino 🙂 Das fand ich schon bei Glennkill großartig 🙂
Ich kann sowohl das Buch als auch das Hörbuch sehr empfehlen; es ist einfach mal etwas anderes, aus der Sicht von Tieren eine Geschichte präsentiert zu bekommen! Und wenn es sich dann noch um einen Krimi handelt… 😉
Erwähnen möchte ich aber noch das gelungene Cover, wo sich zu den Schafen das angehhende Schaf, die Ziege Madouc, gesellt hat. Unter dem gelben Titel als Eyecatcher verbirgt sich ein schemenhafter Schatten, bei dem sich vermmuten läddt, ob es sich um den Täter handelt?!… Wer weiß! 😉
Von mir bekommt „Widdersehen“ von Leonie Swann
5 / 5
!!!
Über die Autorin:
„Leonie Swann wurde 1975 in der Nähe von München geboren. Sie studierte Philosophie, Psychologie und Englische Literaturwissenschaft in München. Mit ihren ersten beiden Romanen ›Glennkill‹ und ›Garou‹ gelang ihr ein sensationeller Erfolg: Beide Bücher standen monatelang auf den Bestsellerlisten, auch international wurden sie zu Bestsellern. ›Glennkill‹ wurde in 25 Sprachen übersetzt und in einer internationalen Produktion mit Starbesetzung fürs Kino verfilmt. Leonie Swann lebt bei Cambridge.“
( Quelle dumont-buchverlag.de )
„Widdersehen“ von Leonie Swan
Ein Schafskrimi erschienen im Dumont Buchverlag am 14.04.2026
ISBN 978-3755801061
384 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Auch als Ebook und Hörbuch erhältlich
„Widdersehen“ wurde mir vom Verlag als Besprechungsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hatte jedoch keine Auswirkung auf meine Meinung und Bewertung!

