Die Muse des Teufelsgeigers“

Rezension 448

„Die Muse des Teufelsgeigers“ von Sina Beerwald

Worum geht es?

Rezension
Copyright Aufbau Verlage

„Wien, 1828: Bei ihrer Heirat mit dem Geigenbauer Paul von Sawicki hatte Sophie auf ein glückliches Leben gehofft, doch ihr Mann ist dem Alkohol verfallen. So arbeitet sie an seiner Stelle in der Werkstatt und kümmert sich um die beiden Kinder. Da taucht plötzlich der berüchtigte Violinist Paganini bei ihr auf und beauftragt sie mit der Reparatur seiner Guarneri del Gesù. Schon bald erkennt Sophie jedoch, dass der Teufelsgeiger eine Anziehung auf sie ausübt, der sie nicht entfliehen kann …“

( Quelle Klappentext zu „Die Muse des Teufelsgeigers“ von Sina Beerwald )

Meine Meinung:

Sina Beerwalds Roman „Die Muse des Teufelsgeigers“, erschienen im Aufbau Verlag, entführt die Leserinnen und Leser ins Wien des Jahres 1828.

Im Mittelpunkt steht Sophie, eine junge Frau, deren Leben sich nach ihrer Heirat mit dem Geigenbauer Paul von Sawicki keineswegs so gestaltet, wie sie es sich erträumt hat. Statt eines harmonischen Familienlebens erlebt Sophie die Ehe mit einem alkoholkranken Mann. So bleibt es an ihr, für die Familie zu sorgen und die beiden Kinder zu erziehen – ein schweres Los in einer Zeit, in der Frauen keine Rechte hatten und ihnen kaum Anerkennung zuteil wurde.

Aber Sophie ist eine starke, fleißige Frau, die sich nicht unterkriegen lässt. Aus Liebe zu ihrem Handwerk und den Kindern hält sie die Werkstatt am Laufen, indem sie heimlich die Arbeit ihres Mannes übernimmt – niemand soll erfahren, dass in Wirklichkeit sie die Reparaturen an den teuren Instrumenten durchführt. Die Notlage der Familie wird noch verschärft, als Paul wegen seiner Trunksucht immer weiter in den Abgrund rutscht und schließlich in den Narrenturm gesperrt wird. Ein Umstand, den sich sein Bruder – ebenfalls Geigenbauer – zunutze machen will, indem er dessen Kunden „vorläufig“ übernimmt und Sophie quasi entmündigen will…

In dieser schwierigen Zeit tritt der berühmte und berüchtigte Geigenvirtuose Niccolò Paganini in ihr Leben. Er beauftragt Sophie mit der Reparatur seiner geliebten „Guarneri del Gesù“-Geige. Also, eigentlich ihren Mann, von dem er nur das Beste gehört hat! Von Anfang an entwickelt sich zwischen Sophie und Paganini eine besondere Anziehung. Paganini, als „Teufelsgeiger“ verschrien, fasziniert ganz Wien – und besonders Sophie, die sich seinem Charme nur schwer entziehen kann…

Sina Beerwald zeichnet Paganini als charismatischen und gleichzeitig sensiblen Künstler. Ein Mann, der polarisiert und gleichzeitig gegen innere Dämonen kämpft. Ein Mann, der in seiner Ehe ebenso unglücklich ist wie Sophie. Und die beide ihre Kinder über alles lieben…

Gefallen hat mir besonders die detailreiche Schilderung Wiens zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Straßen der Stadt, die Stimmung rund um Paganinis Konzerte und die feine Gesellschaft werden realistisch und lebendig beschrieben. Es war, als ob man wirklich mittendrin ist statt nur dabei 😉

Das Handwerk des Geigenbaus findet natürlich ebenfalls viel Raum, sodass man tiefe Einblicke in die Kunst und Technik dieses Berufes erhält. Das hat mich sehr begeistert, habe ich doch hier zu Hause ebenfalls ebenfalls drei Streicher 🙂 Die Beschreibung der Liebe zum Detail – vom Klangholz über Lack und Form bis zur Ausbalancierung der Saiten – begeistert für dieses Instrument, sodass selbst ich Lust bekommen habe, es spielen zu lernen! 🙂

Sina Beer versteht es, historische Fakten und Fiktion zu einer stimmigen Einheit zu verweben. Die Figur der Sophie mag fiktiv sein, doch tatsächlich gab es einen Geigenbauer Sawicki, der Paganinis Geige einst reparierte. Die Autorin vermittelt ihr gut recherchiertes Wissen und fügt im Nachwort zusätzliche Erläuterungen hinzu, die den historischen Hintergrund beleuchten.

Insbesondere Paganinis Ruf, er habe einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, wird thematisiert. Paganinis Persönlichkeit, sein Spiel und der Kult um ihn werden sehr gut dargestellt, dass man fast das Gefühl hat, bei einem seiner legendären Konzerte selbst  dabei zu sein. 😉

Wer sich weniger für Musik interessiert, kommt hier aber dennoch auf seine Kosten 😉 Die Liebesgeschichte, die sich zwischen Sophie und Paganini entwickelt, ist sehr romantisch und unschuldig und wunderschön zu lesen!…

Bereits im Prolog erfährt der Leser, wie innig diese Liebe war! Denn der Roman beginnt damit, wie Sophie 50 Jahre nach Paganinis Tod nach Genua reist, um für ihn ein letztes Mal seine Guarneri del Gesù zu spielen…

Ich finde, das Cover des Buches passt sehr gut zur Geschichte. Einer Geschichte, in der sich eine Frau emanzipiert und selbstverwirklicht! Wir sehen hier nämlich eine junge Frau, eine Geige fest in den Händen haltend. Sie blickt geradeaus, mit einem entschlossen Zug um ihren Mund. Diese Frau hat Biss und lässt sich nicht unterkriegen! …

Den Schreibstil habe ich als sehr angenehm empfunden; leicht zu lesen, aber dennoch stilvoll und bildreich, passend zur damaligen Zeit. Die Charaktere sind authentisch geschaffen mit all ihren Problemen und Gefühlen.

„Die Muse des Teufelsgeigers“ ist ein berührender, spannender und liebevoll recherchierter Roman, der seine Leser in die faszinierende Welt des Geigenbaus und der Musik eintauchen lässt. Die Handlung hält immer wieder überraschende Wendungen bereit, und die Atmosphäre im Buch laden zum (weiter)lesen ein 🙂

Ganz gleich, ob man sich für Musik, Geschichte oder einfach für bewegende Frauenschicksale interessiert – „Die Muse des Teufelsgeigers“ bietet all das – verknüpft mit einem Hauch von Romantik, einer Prise Melancholie und dem Flair einer vergangenen Welt. Völlig zurecht steht Sinas Buch daher auf der Shortlist des Goldenen HOMER! 🙂 Und ich drücke ganz fest die Daumen, dass ihr Roman, MEIN Patenbuch gewinnt!! 🙂

Und wenn ihr mehr zur Geschichte der Geige, deren Entstehung und Entwicklung wissen möchtet, dann werdet ihr hier fündig! 🙂

Von mir gibt es für „Die Muse des Teufelsgeigers“

5/5 Rezension !!! 🙂

Jetzt Verfügbarkeit prüfen*

Aber halt!! Ich bin ja noch gar nicht fertig 😉 Ich habe doch noch etwas für euch! 🙂 Und zwar habe ich Sina Beerwald ein paar 😉 Fragen zum Buch bzw. zur Recherchearbeit gestellt, die sie mir netterweise sehr ausführlich beantwortet hat! Vielen, vielen Dank dafür, liebe Sina! 🙂 Lesen könnt ihr das Interview hier!

Über die Autorin:

Sina Beerwald, 1977 in Stuttgart geboren, hat sich bislang mit über zwanzig erfolgreichen Büchern, darunter historische Romane und Sylt-Erlebnisführer, einen Namen gemacht. Sie ist Preisträgerin des NordMordAward und des Samiel Award, zudem standen einige ihrer Titel auf der Shortlist Shortlist des größten deutschsprachigen Leserpreises. 2008 wanderte sie mit zwei Koffern und vielen Ideen im Gepäck auf die Insel Sylt aus.“

( Quelle Aufbau-Verlage.de )

Über Niccolò Paganini:

Niccolò Paganini wurde am 27. Oktober 1782 in Genua geboren und gilt als einer der berühmtesten Geiger aller Zeiten. Schon als Kind zeigte er großes Talent und erhielt Unterricht von verschiedenen Musiklehrern, darunter auch von seinem Vater, der ihn zum Üben anhielt. Später brachte er sich viele Techniken selbst bei und wurde bekannt für seine unglaubliche Fingerfertigkeit und seine besonderen Tricks auf der Geige.

Mit etwa 17 Jahren verließ Paganini sein Elternhaus und begann, durch Europa zu reisen, um Konzerte zu geben. Seine Auftritte waren sehr erfolgreich und schnell ausverkauft. Die Menschen nannten ihn „Teufelsgeiger“, weil sein Spiel so virtuos und außergewöhnlich war, dass viele glaubten, er müsse mit dem Teufel im Bunde stehen.

Neben der Geige spielte Paganini auch Gitarre und komponierte viele Musikstücke, vor allem aber für die Violine. Seine bekanntesten Werke sind die „24 Capricci“ für Violine solo, die bis heute als sehr schwer gelten. Paganini verdiente viel Geld mit seinen Konzerten und wurde zu Lebzeiten schon zur Legende.

Er starb am 27. Mai 1840 in Nizza, Frankreich an den Folgen einer Knochennekrose und einer Kehlkopftuberkulose.

( Quelle Wikipedia.de )

„Die Muse des Teufelsgeigers“ von Sina Beerwald

Ein historischer Roman erschienen bei Aufbau Verlag am 15.10.2024

ISBN 978-3746639284

446 Seiten

Taschenbuch

Auch als Ebook und Hörbuch erhältlich

www.aufbau-verlage.de

Von Sina Beerwald habe ich bereits gelesen:

„111 Orte auf Föhr die man gesehen haben muss“

„Die Muse des Teufelsgeigers“ wurde mir im Zuge der Bloggertour für die Preisverleihung des Goldenen HOMER als Besprechungsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hatte jedoch keine Auswirkung auf meine Meinung und Bewertung!

Eine Antwort auf „Die Muse des Teufelsgeigers““

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert