Mit 46 Jahren wird bei Simon Boas unheilbarer Krebs diagnostiziert – er war zu spät erkannt worden und hatte sich in seinem Körper ausgebreitet. Aber er ist entschlossen, so zu sterben, wie er gelebt hat – optimistisch, mit dem Glauben an das Gute in den Menschen und die Kraft der Freundlichkeit, mit Blick auf das, was wirklich wichtig ist im Leben. „„Was dicke Bücher und grüne Bananen mit dem Tod zu tun haben““ weiterlesen
„Rom sehen und nicht sterben“ von Peter Wawerzinek“
Worum geht es?
Copyright Penguin Verlag 7 Penguin Randomhouse
Der Schriftsteller Peter Wawerzinek erhält ein Stipendium an der Villa Massimo in Rom. Er will die Stadt erkunden und Inspiration für neue Texte sammeln, doch seine Pläne geraten durcheinander, als sich die Corona-Pandemie ausbreitet. Die Pandemie schränkt sein Leben ein, seine Technik versagt, und seine bereits geschriebenen Texte verschwinden.
Inmitten dieser äußeren und inneren Unordnung entdeckt Wawerzinek Anzeichen einer ernsten Erkrankung. Kurz darauf erhält er in Berlin von seinem Hausarzt, den er nur Min Skipper nennt, die Diagnose Krebs. Für 9 Tage reist er zurück nach Rom, um seine Angelegenheiten zu regeln. Und dann heißt es leben oder sterben…
Meine Meinung:
Ich bin ehrlich, nach dem Lesen der ersten Seiten dachte ich: Oh Gott, geht es das so jetzt das ganze Buch? Und dann noch ohne Kapitel?? Ich habe tatsächlich kurz gehadert, „Rom sehen und nicht sterben“ weiterzulesen. So ein Schreibstil ist mir bisher noch nie begegnet und ich wusste nicht, halte ich es durch, diesen auf über 200 Seiten zu ertragen?!…
Um euch zu beruhigen: Ja, ich habe durchgehalten! 🙂 Und gerade dieser spezielle Stil und Peter Wawerzineks prosaische Sprache, habe ich regelrecht liebgewonnen und ich bin froh und dankbar, dass ich dieses Buch lesen durfte! 🙂
Wawerzineks Stil ist wirklich unverwechselbar. Er bricht Sätze auf, lässt Satzzeichen aus, verwebt Gedankenfetzen zu einem rhythmischen Sprachfluss, fast schon stakkatoartig! Er gibt ganz gut den inneren Gemütszustand der Erzählerstimme wieder; seine Unruhe, die sich bereits bei der Ankunft in Rom Bahn brach! Seine Sprache ist bildgewaltig und manchmal eruptiv, manchmal zärtlich. In den norddeutschen Einsprengseln (Min Skipper) schimmert Humor durch, in den Wortspielen spürt man Humor und Lebenslust; sogar dort, wo Schmerz lauert. Wawerzinek schafft es, über Krankheit und Angst zu schreiben, ohne in Selbstmitleid zu verfallen. Stattdessen vermittelt er Leichtigkeit und manchmal sogar Komik, die den düsteren Stoff auflockert.
„Weiß nicht, wo die Kirche mit dem Spiegel gelegen ist. Weiß nicht, wie sie heißt. Halte alles für möglich. Kann sein, ich habe sie nur geträumt, nie wirklich besucht. (…)Musst mir, was ich dir nun anvetraue, abkaufen, es hinnehmen, wie ich es Dir sage. Ohne mein Zutunschneidet sich der Spiegel in mein Flei sch, trennt schmerzlos/herzlos meinen Körper in zwei Hälften. Bekomme Zuwachs. Werde Zwilling. Wohne meiner Aufspaltung bei. (…) Ist nicht Wirrwarr, wovon ich rede. Ist Klarheit. Fühle Wärme und spüre dadurch erst die Kälte. Sind eins dort, wir beide.Bin Du, wie Du ich bist. Wissenbeide, wovon geredet wird, wenn wir zeitgleich schweigen. (…)“
( Quelle „Rom sehen und nicht sterben“, S. 101, Z. 1 ff. )
Das hier ist nur eine Stelle von zahlreichen, die so wunderschön geschrieben ist! Da weiß ich wieder, warum ich unsere Sprache, das Spiel mit ihr, so sehr liebe 🙂 Selbst Schreckliches, Unaussprechliches, bekommt ein geradezu liebevolles Kleid verpasst, mit Rüschen und Tand! 🙂
Aber jetzt mal zum Inhalt der Geschichte:
Im Zentrum des Romans steht Wawrzineks Krebserkrankung, bzw. seine Art, mit dieser Situation ummzugehen. Nämlich sich dem Leben zuzuwenden in all seiner Pracht, selbst wenn der Tod bereits greifbar nah ist! Rom ist dabei mehr als nur ein Schauplatz. Wo Krankheit und Verlust drohen, zeigt die Stadt ihm Schönheit und Bewegung, die ihn zum Weiterleben drängen. Auch sein Körper spielt eine zentrale Rolle. Die zunehmende Entfremdung von ihm, dieses Fremde in ihm, das Gefühl, dass „der Körper nicht mehr ins Bild passt“, ist der Ausgangspunkt einer tiefen Selbstbegnung. Am Ende gelingt ihm aber beides, Schmerz und Zuversicht, Krankheit und positive Kreativität, in Einklang zu bringen…
„Rom sehen und nicht sterben“ liest sich wie ein literarisches Selbstgespräch, so als ob der Autor eine Postkarte mit langem Text bzw. einen sehr langen Brief verfasst hat. Das Buch verlangt Konzentration beim Lesen, belohnt aber mit Sätzen, die berühren (s.o). 🙂 Diese Mischung aus Poesie, Schmerz und Humor macht „Rom sehen und nicht sterben“ nicht zu einer Geschichte voller Angst im Angesicht des Todes, sondern zu einer Geschichte voller Lebenslust 🙂 Selbst die Liebe findet Einzug und wir alle wissen, Liebe kann Berge versetzen; Mut machen wo Aussichtslosigkeit herrscht. So zeigt sich, dass das Schreiben helfen kann zu verstehen, zu reflektieren, nicht zu verzweifeln, zu hoffen und zu heilen…
Von mir bekommt Peter Wawerzineks Roman, der mich erst wahnsinnig gemacht und dann in sein Innerstes gesaugt hat, der mir die Kunst des Schreibens und die Kraft des Überlebenswillens mit einer solchen Wucht um die Ohren gehauen hat 😉
„Peter Wawerzinek wurde unter dem Namen Peter Runkel 1954 in Rostock geboren. Er wuchs in verschiedenen Heimen und bei verschiedenen Pflegefamilien auf. Seit 1988 betätigt er sich neben vielem anderen als freier Schriftsteller, Regisseur, Hörspielautor und Sänger. Peter Wawerzinek hat zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen erhalten, u.a. Berliner Kritikerpreis für Literatur (1991), Hörspielpreis der Berliner Akademie der Künste (1993), Ingeborg-Bachmann-Preis und den gleichnamigen Publikumspreis (2010), Shortlist Deutscher Buchpreis (2010), Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung (2024).“
„Rom sehen und nicht sterben“ wurde mir vom Team Bloggerportal von Penguin Randomhouse als Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hatte jedoch keine Auswirkung auf meine Meinung und Bewertung!
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Worum geht es?
Copyright Heyne Verlag / Penguin Bücher
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Worum geht es?
Copyright KJM Buchverlag
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