„Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels“

Rezension 463

„Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels“ von Vea Kaiser

Worum geht es?

Rezension
Copyright KiWi Verlag

„Wien, Ende der Achtzigerjahre: Angelika Moser, aufgewachsen im Gemeindebau als Tochter der Hausbesorgerin, verbringt ihre Freizeit durch das Nachtleben tanzend. Gleichzeitig liebt sie ihren Job in einer für sie neuen, eleganten Welt: Als Buchhalterin im Grand Hotel Frohner, das von Wiener Originalen und Gästen von überallher bevölkert wird, lässt sie sich auf zweifelhafte Zahlenspiele ein, um das Etablissement zu retten. „„Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels““ weiterlesen

„Rom sehen und nicht sterben“

Rezension 460

„Rom sehen und nicht sterben“ von Peter Wawerzinek“

Worum geht es?

Rezension
Copyright Penguin Verlag 7 Penguin Randomhouse

Der Schriftsteller Peter Wawerzinek erhält ein Stipendium an der Villa Massimo in Rom. Er will die Stadt erkunden und Inspiration für neue Texte sammeln, doch seine Pläne geraten durcheinander, als sich die Corona-Pandemie ausbreitet. Die Pandemie schränkt sein Leben ein, seine Technik versagt, und seine bereits geschriebenen Texte verschwinden.

Inmitten dieser äußeren und inneren Unordnung entdeckt Wawerzinek Anzeichen einer ernsten Erkrankung. Kurz darauf erhält er in Berlin von seinem Hausarzt, den er nur Min Skipper nennt, die Diagnose Krebs. Für 9 Tage reist er zurück nach Rom, um seine Angelegenheiten zu regeln. Und dann heißt es leben oder sterben…

Meine Meinung:

Ich bin ehrlich, nach dem Lesen der ersten Seiten dachte ich: Oh Gott, geht es das so jetzt das ganze Buch? Und dann noch ohne Kapitel??  Ich habe tatsächlich kurz gehadert, „Rom sehen und nicht sterben“ weiterzulesen. So ein Schreibstil ist mir bisher noch nie begegnet und ich wusste nicht, halte ich es durch, diesen auf über 200 Seiten zu ertragen?!…

Um euch zu beruhigen: Ja, ich habe durchgehalten! 🙂 Und gerade dieser spezielle Stil und Peter Wawerzineks prosaische Sprache, habe ich regelrecht liebgewonnen und ich bin froh und dankbar, dass ich dieses Buch lesen durfte! 🙂

Wawerzineks Stil ist wirklich unverwechselbar. Er bricht Sätze auf, lässt Satzzeichen aus, verwebt Gedankenfetzen zu einem rhythmischen Sprachfluss, fast schon stakkatoartig! Er gibt ganz gut den inneren Gemütszustand der Erzählerstimme wieder; seine Unruhe, die sich bereits bei der Ankunft in Rom Bahn brach! Seine Sprache ist bildgewaltig und manchmal eruptiv, manchmal zärtlich. In den norddeutschen Einsprengseln (Min Skipper) schimmert Humor durch, in den Wortspielen spürt man Humor und Lebenslust; sogar dort, wo Schmerz lauert. Wawerzinek schafft es, über Krankheit und Angst zu schreiben, ohne in Selbstmitleid zu verfallen. Stattdessen vermittelt er Leichtigkeit und manchmal sogar Komik, die den düsteren Stoff auflockert.

  „Weiß nicht, wo die Kirche mit dem Spiegel gelegen ist. Weiß nicht, wie sie heißt. Halte alles für möglich. Kann sein, ich habe sie nur geträumt, nie wirklich besucht. (…)Musst mir, was ich dir nun anvetraue, abkaufen, es hinnehmen, wie ich es Dir sage. Ohne mein Zutunschneidet sich der Spiegel in mein Flei sch, trennt schmerzlos/herzlos meinen Körper in zwei Hälften. Bekomme Zuwachs. Werde Zwilling. Wohne meiner Aufspaltung bei. (…) Ist nicht Wirrwarr, wovon ich rede. Ist Klarheit. Fühle Wärme und spüre dadurch erst die Kälte. Sind eins dort, wir beide.Bin Du, wie Du ich bist. Wissenbeide, wovon geredet wird, wenn wir zeitgleich schweigen. (…)“

( Quelle „Rom sehen und nicht sterben“, S. 101, Z. 1 ff. )

Das hier ist nur eine Stelle von zahlreichen, die so wunderschön geschrieben ist! Da weiß ich wieder, warum ich unsere Sprache, das Spiel mit ihr, so sehr liebe 🙂 Selbst Schreckliches, Unaussprechliches, bekommt ein geradezu liebevolles Kleid verpasst, mit Rüschen und Tand! 🙂

Aber jetzt mal zum Inhalt der Geschichte:

Im Zentrum des Romans steht Wawrzineks Krebserkrankung, bzw. seine Art, mit dieser Situation ummzugehen. Nämlich sich dem Leben zuzuwenden in all seiner Pracht, selbst wenn der Tod bereits greifbar nah ist! Rom ist dabei mehr als nur ein Schauplatz.  Wo Krankheit und Verlust drohen, zeigt die Stadt ihm Schönheit und Bewegung, die ihn zum Weiterleben drängen. Auch sein Körper spielt eine zentrale Rolle. Die zunehmende Entfremdung von ihm, dieses Fremde in ihm, das Gefühl, dass „der Körper nicht mehr ins Bild passt“, ist der Ausgangspunkt einer tiefen Selbstbegnung. Am Ende gelingt ihm aber beides, Schmerz und Zuversicht, Krankheit und positive Kreativität, in Einklang zu bringen…

„Rom sehen und nicht sterben“ liest sich wie ein literarisches Selbstgespräch, so als ob der Autor eine Postkarte mit langem Text bzw. einen sehr langen Brief verfasst hat. Das Buch verlangt Konzentration beim Lesen, belohnt aber mit Sätzen, die berühren (s.o). 🙂 Diese Mischung aus Poesie, Schmerz und Humor macht „Rom sehen und nicht sterben“ nicht zu einer Geschichte voller Angst im Angesicht des Todes, sondern zu einer Geschichte voller Lebenslust 🙂 Selbst die Liebe findet Einzug und wir alle wissen, Liebe kann Berge versetzen; Mut machen wo Aussichtslosigkeit herrscht. So zeigt sich, dass das Schreiben helfen kann zu verstehen, zu reflektieren, nicht zu verzweifeln, zu hoffen und zu heilen…

 

Von mir bekommt Peter Wawerzineks Roman, der mich erst wahnsinnig gemacht und dann in sein Innerstes gesaugt hat, der mir die Kunst des Schreibens und die Kraft des Überlebenswillens mit einer solchen Wucht um die Ohren gehauen hat 😉

5 / 5 Rezension !!!

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Über den Autor:

„Peter Wawerzinek wurde unter dem Namen Peter Runkel 1954 in Rostock geboren. Er wuchs in verschiedenen Heimen und bei verschiedenen Pflegefamilien auf. Seit 1988 betätigt er sich neben vielem anderen als freier Schriftsteller, Regisseur, Hörspielautor und Sänger. Peter Wawerzinek hat zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen erhalten, u.a. Berliner Kritikerpreis für Literatur (1991), Hörspielpreis der Berliner Akademie der Künste (1993), Ingeborg-Bachmann-Preis und den gleichnamigen Publikumspreis (2010), Shortlist Deutscher Buchpreis (2010), Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung (2024).“

( Quelle Penguin.de )

„Rom sehen und nicht sterben“ von Peter Wawerzinek

Ein Roman erschienen im Penguin Verlag / Penguin Randomhouse am 05.09.2025

ISBN 978-3328604051

224 Seiten

Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag

Auch als Ebook und Hörbuch erschienen

www.penguin.de

„Rom sehen und nicht sterben“ wurde mir vom Team Bloggerportal von Penguin Randomhouse als Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hatte jedoch keine Auswirkung auf meine Meinung und Bewertung!

„Für immer“

Rezension 423

„Für immer“ von Maja Lunde

Aus dem Norwegischen von Ursel Allenstein

Worum geht es?

Rezension
Copyright btb / Penguin Bücher

„An einem gewöhnlichen Tag Anfang Juni stoppt die Zeit. Niemand stirbt, niemand wird mehr geboren. Die neue Ewigkeit verändert das Lebensgefühl der Menschen: „„Für immer““ weiterlesen

„Colorful – Welche Farbe hat das Glück?“

Rezension 406

„Colorful – Welche Farbe hat das Glück?“ von Iris Apfel

Worum geht es?

29. August 1921 – 1. März 2024

Rezension
Copyright Prestel Verlag / Penguin Bücher

„Im Sommer 2023 feierte Iris Apfel ihren 102. Geburtstag und begann dieses ganz besondere Projekt, das sie ihr „Vermächtnis“ nannte.

Dieses von Iris Apfel zusammengestellte Buch enthält über 300 persönliche Fotos und einzigartige, bislang unveröffentlichten Stoffmuster aus Iris‘ Old World Weaver’s Collection. Ihre unglaubliche Energie strahlt aus jeder Seite: Sie erzählt von ihrer kreativen Arbeit, ihrer Lebensgeschichte, ihren Abenteuern und ihrem unerschütterlichen Glauben an die Kraft von Farbe und Kreativität.“

( Quelle Prestel Verlag / Penguin Bücher )

Meine Meinung:

Rezension
Foto von Verena Breuer

Auch wenn ich mich nicht mit allem, was Iris Apfel trug oder designt hat, identifizieren kann, so eröffnet sie uns doch die Möglichkeit, unseren Horizont zu erweitern und Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Geht nicht gibt es bei ihr nicht! 😉 Iris Apfel sehr bewundert! Vor allem fand ich ihre ausgefallenen Brillen und die klobigen Ketten mega, ich selbst würde mich vermutlich nie trauen, so  etwas zu tragen! Aber sie konnte es! Sie konnte ALLES tragen: Ihre Kleider, die Kombinationen der verschiedensten Stoffe und Farben – sie war eine wahre Ikone, die uns im hohen Alter noch leerte, auch mal mutig zu sein, etwas zu wagen! Was soll schon passieren? 🙂       

Rezension
Foto von Verena Breuer

In ihrem Vermächtnis erfährt der Leser/Betrachter nicht nur viel über Mode und Farben, sie lässt uns auch teilhaben an ihrem privaten Leben, an ihrer Liebe, an ihrem Leben, das erst in diesem Jahr im März endete. Aber sie hinterlässt sehr eindrucksvolle Bilder, von denen sich an die 300 hier in diesem Buch befinden! Fotos und Zeichnungen, aber auch Stoffe, die sie designt hat, können hier angeschaut werden.

 

 

Rezension
Foto von Verena Breuer

Es macht Spaß, in diesem wunderschönen Buch zu blättern! Die Aufmachung ist grandios: Knallig bunt mit pinkem Farbschnitt. Ein Buch, das nicht nur als Coffee Table Book einiges hermacht 😉 Während des Blätterns und Lesens hatte ich immer das Gefühl ein Fotoalbum zusammen mit Iris Apfel durchzuschauen und mir von ihr alle Geschichten zu den einzelnen Bildern und Zeichnungen erzählen zu lassen, was durch die direkte Ansprache von Iris an den Leser, noch verstärkt wurde. Immer wieder sind Zitate gleich Weisheiten von ihr abgedruckt. Das eine oder andere kennt man sicher, aber sie haben immer einen wahren Kern. Einen Spruch von ihr, den ich behalten habe, ist:

„Schau immer nach vorn – und nicht nach unten auf dein Smartphone.“ 😉

Oder:

„Werde alt, aber niemals langweilig.“ 🙂

Am Ende des Buches findet sich dann noch ein Register nach Stichworten sortiert und die Bildnachweise. Außerdem gibt es nochmal eine einseitige Zusammenfassung ihres Lebens .

Iris Apfel war einfach eine so unfassbare coole, kreative und weise Frau! Ich hoffe, dass ich so einiges von dem, was ich beim Lesen erfahren habe, mitnehme und auch umsetzen werde. Nicht nur kleidungs- und wohntechnisch, sondern vor allem die wichtigen Dinge fürs Leben…

Rezension
Foto von Verena Breuer

Ein wenig traurig bin ich schon, dass diese Stilikone nicht mehr unter uns weilt, aber in diesem Buch zu Schmökern lässt wieder lebendig werden! 🙂

Von mir gibt es für dieses Buch, welches sich auch hervorragend unterm Weihnachtsbaum macht 😉 ,

5 / 5 Rezension !!! 🙂

 

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Über die Autorin:

„Iris Apfel (1921-2024) war eine renommierte amerikanische Geschäftsfrau, Innenarchitektin, Modeikone und eine erfolgreiche Sammlerin und Expertin für antike Textilien. Im Jahr 1950 gründete sie zusammen mit ihrem Mann Carl „Old World Weavers“, ein internationales Textilunternehmen, das sich auf die Reproduktion antiker Stoffe spezialisiert hat. Während neun Präsidentschaftsregierungen war sie Beraterin des Weißen Hauses und produzierte Stoffe, die noch heute im Gold Room hängen. Im Jahr 2005 veranstaltete das Costume Institute des Metropolitan Museum of Art die Ausstellung Rara Avis, die ihre Kleidung und Accessoires zeigte. Damit war Iris Apfel die erste lebende Person, die keine Modedesignerin war, der diese Ehre zuteil wurde. Im Jahr 2014 war sie das Thema des preisgekrönten Films Iris von Regisseur Albert Maysles. Sie ist außerordentliche Professorin an der University of Texas und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter einen Sonderpreis der Women Together Foundation der Vereinten Nationen für ihr lebenslanges Engagement und ihre Unterstützung von Kunsthandwerk in aller Welt. Im Jahr 2018 war sie mit 96 Jahren die älteste Person, die in eine Barbie-Puppe verwandelt wurde. Im Jahr 2023, im Alter von 102 Jahren, schrieb Iris das Buch „Colorful“, das sie als ihr Vermächtnis ansah.“

( Quelle Prestel Verlag / Penguin Bücher )

„Colorful – Welche Farbe hat das Glück?“ von Iris Apfel

Ein Bildband erschienen im Prestel Verlag / Penguin Bücher am 25.09.2024

ISBN 978-3791393018

288 Seiten

Hardcover mit farbigem Farbschnitt

www.penguin.de

„Colorful – Welche Farbe hat das Glück?“ von Iris Apfel wurde mir vom Team Bloggerportal von Penguin Bücher als Besprechungsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hatte jedoch keine Auswirkung auf meine Meinung und Bewertung!

„Mika im echten Leben“

Rezension 314

Mika im echten Leben“ von Emiko Jean

Aus dem Englischen von Charlotte Lungstrass-Kapfer

Worum geht es?

Copyright dtv

„Mika Suzukis Leben ist eine ziemliche Katastrophe: Ihre letzte Beziehung ist implodiert, für ihre Eltern ist sie eine ständige Enttäuschung und vor Kurzem wurde sie auch noch gefeuert. Doch ein Anruf ändert plötzlich alles: Ihre 16-jährige Tochter Penny, die sie als junges Mädchen zur Adoption freigeben musste, meldet sich überraschend und möchte ihre leibliche Mutter kennenlernen.

 

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„Und morgen ein neuer Tag“

Rezension 297

„Und morgen ein neuer Tag“ von Claire Alexander

Aus dem Englischen von Stefanie Retterbush

Worum geht es?

Copyright Goldmann Verlag / Penguin Randomhouse
„Seit mehr als drei Jahren hat Meredith ihr Haus nicht verlassen. Über das Warum – über das, was vor 1.214 Tagen geschah – spricht sie mit niemandem. Denn eigentlich ist doch alles in Ordnung: Sie arbeitet erfolgreich von zu Hause, bruncht am Küchentisch mit ihrer besten Freundin, liest in ihrem gemütlichen Ohrensessel und kocht Pasta Puttanesca. Aber dann tritt Tom in ihr Leben, und Meredith muss zugeben, dass sie nicht so glücklich ist wie sie vorgibt.

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